Biberkonflikt in Vorarlberg: Tötung bleibt als ultima ratio erlaubt!
Dornbirn erlaubt unter bestimmten Bedingungen die Tötung einzelner Biber zur Konfliktbewältigung. Wachstum und Management der Biberpopulation im Fokus.

Biberkonflikt in Vorarlberg: Tötung bleibt als ultima ratio erlaubt!
Die Bezirkshauptmannschaft Dornbirn hat beschlossen, dem Naturschutzverein Rheindelta die Tötung einzelner Biber zu erlauben, wenn andere Maßnahmen zur Konfliktbewältigung scheitern. Diese Entscheidung trifft in einem Kontext zu, in dem die Biberpopulation in Vorarlberg in den letzten Jahren stark gewachsen ist. Laut 5min.at hat sich die Anzahl der Biber von rund 170 in 52 Revieren vor fünf Jahren auf etwa 300 in rund 100 Revieren erhöht.
Der Biber, der im Jahr 1685 ausgerottet wurde, wurde seit 2006 wieder angesiedelt. Die rapide Zunahme der Population führt zu Konflikten, da die Tiere zunehmend in siedlungsnahe Gewässer einwandern, Bäume fällen und Bäche aufstauen. Ein bekannter „Problemschöpfer“ ist der Biber „Otto“, der im letzten Jahr Obstbäume in Dornbirn beschädigte. Diese Situation hat die Notwendigkeit eines koordinierten Bibermanagements deutlich gemacht, um Akzeptanz in der Bevölkerung zu fördern.
Konfliktherde und Maßnahmen
Die Bezirkshauptmannschaft bestätigt, dass die Tötung nun als ultima ratio bleibt. Zuvor sollen verschiedene Maßnahmen zur Konfliktbewältigung ergriffen werden, darunter:
- Öffnen oder Entfernen von Dämmen
- Aufstellen von Elektrozäunen
- Sichern gefährdeter Bäume durch Drahtgitter
- Bergen und Behandeln verletzter Tiere
- Einschläfern stark verletzter Biber
Diese Strategien ermöglichen oft eine friedliche Koexistenz. Die amtlichen Sachverständigen erwarten hingegen keinen negativen Einfluss auf die Gesamtpopulation durch diese Maßnahmen. Die betroffenen Gebiete sind insbesondere das Naturschutzgebiet „Birken – Schwarzes Zeug – Mäander der Dornbirnerach“ sowie weitere Schutzgebiete in Dornbirn, Lustenau und Hohenems.
Biber als Landschaftsgestalter
Laut waldwissen.net stellt der Biber allerdings auch einen positiven Input für seine Umgebung dar. Die Aktivitäten der Biber fördern die Artenvielfalt in ihren Lebensräumen. Pioniergehölze breiten sich trotz der Biberverbisse aus, und es wurde festgestellt, dass Biber Lebensräume für seltene Tiere und Pflanzen schaffen, darunter Laubfrösche und Libellen.
Biberdämme bieten zudem Schutz vor Hochwasserereignissen und filtern Nitratgehalt im Gewässer, was sie zu einem wertvollen Bestandteil des Ökosystems macht. Während technische Maßnahmen zur Gewässerentwicklung oft zeit- und kostenintensiv sind, renaturieren Biber Gewässer schneller und effizienter. Experten empfehlen, Gewässern mehr Raum zu geben, um natürliche Uferstreifen zu schaffen – eine einfache Möglichkeit, sowohl die Biberpopulation zu unterstützen als auch menschliche Konflikte zu reduzieren.
Insgesamt steht die Entwicklung einer nachhaltigen Co-Existenz zwischen Mensch und Biber im Zentrum der aktuellen Diskussionen. Ihr Beitrag zur Biodiversität und zur Ökologie kann unter bestimmten Bedingungen akzeptiert und gefördert werden. Die Herausforderungen, die die wachsende Population mit sich bringt, erfordern jedoch einen sensiblen und koordinierten Managementansatz, wie er bereits in Vorarlberg praktiziert wird, um Konflikte nachhaltig zu vermeiden und die Akzeptanz in der Bevölkerung zu erhöhen.
Für weitere Informationen zu den Biberaktivitäten und deren Auswirkungen auf die Biodiversität kann auf die Tagung „Biber und Biodiversität“ verwiesen werden, die interessante Ergebnisse zu diesem Thema präsentiert hat, wie vorarlberg.orf.at anmerkt.