Trauer um Josef Ratzenböck: Oberösterreichs prägender Landesvater verstorben
Josef Ratzenböck, ehemaliger Landeshauptmann von Oberösterreich, ist verstorben. Ein Rückblick auf sein prägendes politisches Wirken.

Trauer um Josef Ratzenböck: Oberösterreichs prägender Landesvater verstorben
Josef Ratzenböck, der ehemalige Landeshauptmann von Oberösterreich, ist am Dienstag, den 23. Dezember 2025, im Alter von 96 Jahren verstorben. Diese Nachricht wurde am späten Nachmittag vom Land Oberösterreich veröffentlicht. Ratzenböck gilt als eine herausragende Persönlichkeit, die die Entwicklung der Region über zwei Jahrzehnte entscheidend prägte. Er war ein promovierter Jurist und stand von Oktober 1977 bis März 1995 an der Spitze der Landesregierung. Während seiner Amtszeit erlangte er große Popularität und wurde als klassischer „Landesvater“ bekannt, der durch Bürgernähe und Engagement ausgezeichnet war.
In seiner politischen Laufbahn war Ratzenböck ein starker Verfechter von Wohnbau- und Bildungspolitik. Er initiierte die Gründung des Landesmusikschulwerks im Jahr 1977, um die musikalische Ausbildung breiter Bevölkerungsschichten zu fördern. Zudem sorgte er dafür, dass die Österreichische Volkspartei (ÖVP) bei der Landtagswahl 1979 die absolute Mehrheit zurückgewinnen konnte, ein Erfolg, den sie auch 1985 verteidigte. Zu den denkwürdigen Ereignissen seiner Amtszeit gehörte der Fall des Eisernen Vorhangs. Am 11. Dezember 1989 schnitt Ratzenböck gemeinsam mit dem tschechischen Politiker Miroslav Šenkyř am Grenzübergang Wullowitz den „Eisernen Vorhang“ durch.
Ein Leben für die Menschen in Oberösterreich
Ratzenböcks Verständnis von Politik war geprägt von der Überzeugung, dass „Politik als Handeln am Nächsten“ zu begreifen sei. Er beschrieb sich selbst als „Arbeiter im Weinberg Oberösterreich“. Diese Philosophie spiegelte sich unter anderem in seinem Engagement für regelmäßige Sprechtage wider, die er einführte, um direkten Kontakt zur Bevölkerung zu halten. Dies förderte ein starkes Vertrauensverhältnis zu den Bürgerinnen und Bürgern des Landes.
Nach seinem Rückzug aus der aktiven Politik 1995 blieb Ratzenböck weiterhin aktiv und äußerte sich zu verschiedenen Grundsatzfragen. Vom Jahr 1996 bis 2017 war er Obmann des Seniorenbundes in Oberösterreich, wodurch er sich um die Belange älterer Menschen kümmerte. Die aktuelle politische Führung in Oberösterreich zollte Ratzenböck großen Respekt: ÖVP-Klubobmann August Wöginger würdigte sein Engagement und seinen Dienst an der Bevölkerung, während Landeshauptmann Thomas Stelzer ihn als „großen Gestalter“ und „Brückenbauer“ bezeichnete, der Oberösterreich in den Bereichen Arbeit, Industrie, Bildung, Wissenschaft und Kultur profiliert hat.
Ein Rückblick auf die Geschichte Oberösterreichs
Um die Bedeutung von Ratzenböcks Wirken besser zu verstehen, ist ein Blick auf die Geschichte Oberösterreichs hilfreich. Das Bundesland hat eine lange und vielfältige Geschichte, die bis in das alte Königreich Noricum zurückreicht, das 15 v. Chr. Teil des Römischen Reiches wurde. Die Region erlebte verschiedene kulturelle Einflüsse, und im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich Oberösterreich zu einem wichtigen Industrieland Österreichs, was auch auf die politische Gestaltung durch Persönlichkeiten wie Ratzenböck zurückzuführen ist.
Über die Jahrhunderte hat sich Oberösterreich kontinuierlich entwickelt, von der Sesshaftigkeit in der Jungsteinzeit bis hin zu modernen politischen Strukturen in der Zweiten Republik. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Oberösterreich Teil der souveränen Republik Österreich, was den Grundstein für die wirtschaftliche und kulturelle Blüte der Region legte. Die Ernennung Linz‘ zur Kulturhauptstadt Europas im Jahr 2009 ist ein weiterer Meilenstein in der Geschichte des Landes und verdeutlicht die nachhaltige Entwicklung, die durch Figuren wie Ratzenböck gefördert wurde.
Mit dem Tod von Josef Ratzenböck verliert Oberösterreich eine prägende Figur, deren Engagement und Visionen weitreichende Spuren hinterlassen haben. Sein Wirken wird in den Herzen der Bevölkerung und der politischen Landschaft des Landes weiterleben.