Verwechslung im Kreißsaal: Spanierin erhält fast 1 Million Euro Schadensersatz
Eine Spanierin erhält fast eine Million Euro Schadenersatz für ihre Vertauschung bei der Geburt im Jahr 2002.

Verwechslung im Kreißsaal: Spanierin erhält fast 1 Million Euro Schadensersatz
Eine tragische Verwechslung, die vor mehr als zwei Jahrzehnten begann, hat nun zu einem gerichtlichen Urteil geführt, das in Spanien für Aufsehen sorgt. Eine Frau, die 2002 bei ihrer Geburt im Krankenhaus San Millán in Logroño, Spanien, mit einer anderen Neugeborenen vertauscht wurde, erhält einen Schadenersatz von 975.000 Euro. Das Oberlandesgericht der Region La Rioja hat diese Entschädigung beschlossen, nachdem die Identität der beiden Frauen durch einen DNA-Test geklärt werden konnte. Diese Entscheidung ist das Ergebnis eines jahrelangen Rechtsstreits.
Ursprünglich forderte die Klägerin satte 3 Millionen Euro, nachdem sie 2021 von der Verwechslung erfuhr. Der Kampf um Gerechtigkeit dauerte Jahre, da sowohl die Klägerin als auch der regionale Gesundheitsdienst das Recht haben, gegen das Urteil Einspruch einzulegen. Es bleibt also abzuwarten, wie sich die Situation weiterentwickeln wird.
Die Tragweite des Fehlers
Der Fehler ist besonders schmerzlich, da die leibliche Mutter eines der betroffenen Frauen bereits 2018 verstorben ist, was das Potenzial für eine emotionale Versöhnung und Aufarbeitung nahezu ausgeschlossen hat. Auch die zweite betroffene Frau fordert vor Gericht eine ähnliche Summe von 3 Millionen Euro und kritisiert die zunächst zugesprochene Entschädigung von 850.000 Euro als unzureichend. Diese Summe wurde auf 975.000 Euro erhöht, da die Klägerin keinen Kontakt mehr zu ihrer leiblichen Mutter herstellen konnte, was Anwalt der Klägerin als „irreparable Schäden“ bezeichnete.
Der Fall wirft Fragen zur Patientensicherheit und zu möglichen Fehlern im Gesundheitswesen auf. Laut einem Bericht der Stiftung Warentest gibt es jährlich Tausende von Behandlungsfehlern, jedoch wird nur einem Bruchteil davon nachgegangen. Die Vertauschung von Neugeborenen ist ein besonders schwerwiegender Fehler, der weitreichende gesundheitliche und psychologische Folgen für die Betroffenen hat. Experten weisen darauf hin, dass Patienten rechtliche Ansprüche auf Schmerzensgeld und Schadenersatz haben, wenn solche Fehler auftreten.
Ein historischer Kontext
Das Krankenhaus San Millán, das einst als eines der besten öffentlichen Kliniken in La Rioja galt, stellte 2007 den Betrieb ein und wurde 2009 abgerissen. Der Vorfall hat die öffentliche Wahrnehmung des Gesundheitsdienstes in der Region nachhaltig beeinflusst. Ein neuer Bau des „Hospitals San Millán“ soll bald beginnen und könnte eine Chance für eine verbesserte Patientensicherheit bieten.
Das Informationssystem für Fehlermeldungen, CIRS (Critical Incident Reporting Systems), ermöglicht es Mitarbeitenden im Gesundheitswesen, Fehler anonym zu melden. Derartige Systeme sind entscheidend, um die medizinische Versorgung zu verbessern und ähnliche Vorfälle in Zukunft zu verhindern, doch die Tatsache, dass Fehler im Gesundheitswesen nicht vollständig vermeidbar sind, bleibt eine Herausforderung. Patienten haben das Recht, über Fehler in der Therapie informiert zu werden; ein Aspekt, der in diesem Fall und vielen anderen von entscheidender Bedeutung ist.
Die Schwere des Falls und die rechtlichen Auseinandersetzungen, die folgten, beleuchten die komplexe Beziehung zwischen medizinischen Institutionen und den von ihnen behandelten Patienten. Deren Rechte und Ansprüche werden durch paralegal Vorgehensweisen gestärkt, doch der Weg zur Gerechtigkeit bleibt oft steinig und langwierig. Weitere Entwicklungen in dem Verfahren sind zu erwarten.