Lindemann provoziert bei Wien-Konzert: Proteste bleiben leise!
Till Lindemann trat am 30.11.2025 in Wien auf, trotz Protesten und kontroverser Themen. Wird Kunst von der moralischen Verantwortung entkoppelt?

Lindemann provoziert bei Wien-Konzert: Proteste bleiben leise!
Till Lindemann, der Frontmann der umstrittenen Band Rammstein, trat am Samstagabend in der Wiener Stadthalle auf und zog damit eine Menge von 14.000 Fans an. Das Konzert fand trotz kleiner Proteste und Ungereimtheiten im Vorfeld statt. Im Sommer 2023 gab es bereits große Demonstrationen gegen Rammstein und Lindemann in Österreich, die auf die Vorwürfe der sexuellen Gewalt und die sogenannte „Row Zero“-Debatte aufmerksam machten, die Lindemann belasten. Auch wenn die Judikative die Verfahren gegen ihn inzwischen eingestellt hat, bleib der moralische Diskurs im gesellschaftlichen Raum aktiv. Krone.at berichtet von Lindemanns provokanter Bühnenshow, die 90 Minuten dauerte und mit martialischen Kostümen sowie schockierenden Videos die Zuschauer fesselte.
In der Arena wurde die Musik von den Kritikern als durchschnittlich bewertet, mit nur wenigen herausragenden Songs, die in den Hintergrund traten. Lindemann, der 62 Jahre alt ist, lässt mit seiner Kunst die Fragen über die Trennung von Kunst und Künstler aufkommen, die auch von Feministinnen und Künstlerinnen diskutiert werden. Dabei scheint das Selbstverständnis von Kunst als Ausdruck der persönlichen Erfahrungen, besonders in Bezug auf Themen wie sexuelle Gewalt, immer wieder auf die Probe gestellt zu werden. mögliche Verlinkungen zu Ärzteblatt könnten dabei ein tiefere Einsicht in die komplexe Beziehung zwischen Künstlern und ihren Werken geben.
Proteste und Gesellschaftliche Diskussionen
Vor dem Konzert regte sich Protest von verschiedenen Seiten. Die Initiative „#aufstehn“ forderte die Absage des Konzerts und sammelte 6.300 Unterschriften. Auf den Straßen rund um die Stadthalle waren Kreidemalereien zu finden, die Slogans wie „Till Lindemann raus aus Wien“ und „Betroffenen glauben“ trugen. Diese Malereien entstanden in Zusammenarbeit mit dem Verein „Catcalls of Vienna“, der auf sexuelle Belästigung aufmerksam macht.
Rechtsanwältin Yara Hofbauer erklärte, dass das Ermittlungsverfahren gegen Lindemann eingestellt wurde, da man keine strafrechtlich relevanten Anhaltspunkte gefunden habe. Ihre Aussagen thematisierten die gesellschaftliche Verantwortung, die über die rechtlichen Grenzen hinausgeht, und kaum örtlich gebundene verrichte die Aufträge. Die feministische Künstlerin Sophie Tschannett sprach sich gegen die Entkopplung von Kunst und Künstler aus, eine Debatte, die immer wieder aufgegriffen wird, besonders in Anbetracht von Lindemanns umstrittenem Image. Der Protest wurde am Abend des Konzerts durch das Bündnis „Feminism Unlimited“ fortgeführt.
Die Rolle der Kunst in der Gesellschaft
Die Verbindung zwischen Kunst und sexueller Gewalt ist ein Thema, das für Künstlerinnen besonders herausfordernd ist. Historisch betrachtet mussten Frauen jahrelang kämpfen, um Zugang zu künstlerischen Ausdrucksformen zu gewinnen. Künstlerinnen wie Artemisia Gentileschi, Niki de Saint Phalle und Tracey Emin haben sexuelle Gewalt in ihren Werken thematisiert. Gentileschi, die als eine der ersten Künstlerinnen gilt, die diese Erfahrung in ihrer Kunst verarbeitete, schuf mit „Judith und Holofernes“ ein Bild, das Wut und Abscheu verkörpert.
Emins Werk „My Bed“ stellt persönliche Erfahrungen mit sexueller Gewalt und psychischer Verzweiflung dar und ist ein eindringliches Beispiel dafür, wie Kunst eine Möglichkeit zur Verarbeitung und Distanzierung von traumatischen Erfahrungen bieten kann. Diese Werke zeigen, wie Künstlerinnen, trotz der historisch bedingten Einschränkungen, durch ihre Kunst für Frauen eine Stimme werden und wichtige gesellschaftliche Diskussionen anstoßen können.