Hass im Netz: ZARA-Report enthüllt alarmierende Zahlen und Missstände
Am 26. November 2025 präsentiert ZARA den 8. Bericht zu Hass im Netz und thematisiert rechtlich erlaubte, aber schädliche Inhalte.

Hass im Netz: ZARA-Report enthüllt alarmierende Zahlen und Missstände
Der Verein ZARA hat am 26. November 2025 seinen achten Bericht gegen Hass im Netz mit dem Titel „Lawful but Awful“ veröffentlicht. In diesem Bericht wird aufgezeigt, wie rechtlich zulässige, jedoch schädliche Inhalte im Internet Menschen verletzen und den demokratischen Diskurs gefährden. ZARA-Geschäftsführerin Rita Isiba betont die Herausforderungen des Rechtsstaats beim Schutz der Menschenwürde. Der Bericht thematisiert auch die Problematik von Mehrfachdiskriminierung und stellt fest, dass Frauen und weiblich gelesene Personen besonders häufig von Online-Hass betroffen sind. In seinem aktuellen Beratungsjahr dokumentierte ZARA insgesamt 1.716 Meldungen, wovon 46 Prozent (798 Fälle) als (straf-)rechtlich relevant eingestuft wurden, während 54 Prozent als nicht rechtlich relevant bewertet wurden.
Die Analyse der strafrechterlich relevanten Meldungen zeigt, dass Beleidigungen mit 30 Prozent an erster Stelle stehen, gefolgt von Verhetzung (17 Prozent) und Cyber-Mobbing (10 Prozent). Zudem weist der Bericht auf eine alarmierende Zunahme von Vorurteilen hin, die häufig rassistisch und sexistisch motiviert sind. ZARA hat seit 2017 insgesamt 15.113 Fälle von Online-Hass dokumentiert. Um den Betroffenen Unterstützung zu bieten, führt die Beratungsstelle individuelle Beratungen durch und prüft rechtliche Schritte zur Unterstützung.
Handlungsempfehlungen und politische Maßnahmen
Der Bericht gibt Handlungsempfehlungen für Betroffene, Zeug*innen und politische Entscheidungsträger*innen heraus. Ziel ist es, die Menschenwürde zu schützen und die Sicherheit in digitalen Räumen zu verbessern. Im Rahmen der Präsentation des Berichts fand eine Diskussion mit Experten zu Themen wie Cybermobbing und Medienkompetenz statt. Der Austausch bezog sich auch auf die Ergebnisse einer kürzlich veröffentlichten Studie, die zeigt, dass mehr als die Hälfte der Internetnutzer*innen aufgrund von Hass im Netz seltener ihre politische Meinung äußern.
In Deutschland, wo über 3.000 Internetnutzer*innen befragt wurden, berichten 49 Prozent der Teilnehmer, dass sie bereits online beleidigt wurden. Besonders stark betroffen sind junge Frauen, Personen mit sichtbarem Migrationshintergrund, sowie queere Menschen. Das Resultat dieser Studie verdeutlicht, dass 82 Prozent der Befragten glauben, dass Hass im Netz die Vielfalt im Internet gefährdet, während 76 Prozent befürchten, dass er Gewalt im Alltag erhöht.
Forderungen an Social-Media-Plattformen
Eine wesentliche Erkenntnis dieser Untersuchungen ist die Forderung nach mehr Verantwortung seitens der Social-Media-Plattformen. 86 Prozent der Befragten verlangen, dass diese verstärkt für gesellschaftliche Schäden, die durch Hass im Netz verursacht werden, zur Verantwortung gezogen werden. Zahlreiche Teilnehmer fordern zudem eine bessere Unterstützung für die Betroffenen, ein bundesweites Netzwerk von Beratungsstellen, und eine konsequente Anwendung bestehender Gesetze, insbesondere im Rahmen des europäischen Digital Services Act (DSA).
Der Bedarf an Maßnahmen zur Bekämpfung von Hass im Netz wird auch von politischen Akteuren, darunter die Bundesministerin Lisa Paus, hervorgehoben, die sich für die Notwendigkeit von Gegenmaßnahmen und umfassender Unterstützung von Betroffenen ausspricht.
Die Ergebnisse des ZARA-Berichts und der ergänzenden Studie bringen die drängenden Herausforderungen in Bezug auf Hass im Netz auf den Punkt und unterstreichen die Notwendigkeit eines umfassenden Ansatzes zur Bekämpfung dieser Problematik.