Nach Skandal: SOS-Kinderdorf kämpft um Vertrauen und Neuanfang!
SOS-Kinderdorf kämpft nach Missbrauchsvorwürfen um Vertrauen, reformiert Strukturen und ergreift Maßnahmen zur Aufarbeitung.

Nach Skandal: SOS-Kinderdorf kämpft um Vertrauen und Neuanfang!
Drei Wochen nach den schockierenden Enthüllungen über Missbrauchsfälle bei SOS-Kinderdorf fand in Wien eine Pressekonferenz statt, in der die Organisation eine Zwischenbilanz über die laufenden Aufarbeitungsmaßnahmen zog. Die Chefin des Standorts Guntramsdorf, Nicole Cerny, appellierte an die Öffentlichkeit, sich nicht an Mitarbeitern und Schützlingen zu vergehen, sondern ein differenziertes Bild von der Einrichtung zu vermitteln. Diese negative Stimmung, resultierend aus Medienstimmen,ferne der Realität, könne das Arbeitsumfeld für viele gefährden.
Besonders besorgniserregend ist die derzeitige Situation um die Führung der Organisation. Der dienstfrei gestellte Geschäftsführer Christian Moser hat noch keinen interimistischen Nachfolger, was die Unsicherheit verstärkt. Geschäftsführerin Annemarie Schlack versicherte jedoch, dass Stabilität gewährleistet sei und eine Nachfolge derzeit nicht auf der Agenda stehe. In diesem Zusammenhang gab es auch offene Fragen zur künftigen Besetzung des Aufsichtsrats nach dem Rücktritt von Willibald Cernko, der eine Expertise im Bereich Kinderschutz forderte.
Reformkommission und Ombudsstellen
Die Maßnahmen zur Aufarbeitung umfassen unter anderem die Neuaufstellung der Führungsebene, die Aufstockung der Ombudsstellen auf sechs Fachkräfte und die Einsetzung einer Reformkommission unter Leitung von Irmgard Griss. Diese Kommission wird am 8. Oktober zusammenkommen, die Unabhängigkeit der Ermittlungen soll hierbei besonders betont werden. Details über die Zusammensetzung sind jedoch noch nicht bekannt, lediglich ein weiterer Experte wurde angekündigt.{
Die Ombudsstellen sollen den Ehemaligen des SOS-Kinderdorfs eine Plattform geben, um Vorfälle zu melden. Laut Schlack handle es sich hierbei nicht um reine Abwartemethoden, sondern um einen aktiven Umgang mit den Vorwürfen.
Gleichzeitig gibt es in Kärnten derzeit Ermittlungen gegen Landesbedienstete wegen Amtsmissbrauchs in Verbindung mit den Vorwürfen um SOS-Kinderdorf. Ersten Anzeichen zufolge könnte es an mehreren Standorten zu Missbrauch gekommen sein. Die Staatsanwaltschaften in Klagenfurt, Innsbruck und Salzburg prüfen die Vorfälle, die durch einen Bericht der Wochenzeitung „Falter“ angestoßen wurden. Hierbei wird nicht ausgeschlossen, dass nicht alle Verdachtsmomente direkt an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet wurden. In Moosburg wird gegen Verantwortliche ermittelt, die Missbrauchsvorwürfe nicht angezeigt haben.
Folgen für SOS-Kinderdorf
Nach den massiven Vorwürfen verzeichnet die Organisation bereits erste Anzeichen eines Spendenrückgangs, insbesondere im digitalen Bereich und bei Unternehmenspartnerschaften. SOS-Kinderdorf finanziert sich zu etwa 75 % aus öffentlichen Geldern. So betrugen die Spenden 2024 insgesamt 46,5 Millionen Euro, bei Gesamteinnahmen von rund 188 Millionen Euro. Die Soziallandesrätin von Kärnten, Eva Pawlata, äußerte ihre Besorgnis über eine mögliche Vertuschung von Vorfällen innerhalb der Organisation und forderte eine schnelle und umfassende Aufklärung.
In der aktuellen Diskussion um Kinder- und Jugendhilfe wird immer wieder betont, wie wichtig Schutzkonzepte in sozialen Einrichtungen sind. Diese Konzepte sind entscheidend, um präventiv gegen Machtmissbrauch und Gewalt vorzugehen. Die Entwicklung solcher Konzepte erfordert die Einbeziehung aller Beteiligten, um ein sicheres Umfeld zu gewährleisten. Fachkräfte sollen informiert und geschult werden, um auch in Krisenfällen angemessen reagieren zu können. Damit wird auch das Vertrauen in Einrichtungen wie das SOS-Kinderdorf gesichert, ein Vertrauen, das momentan massiv auf dem Spiel steht.
Die Geschehnisse rund um SOS-Kinderdorf stellen nicht nur die Organisation selbst, sondern das gesamte System der Kinder- und Jugendhilfe vor enorme Herausforderungen. Die kommenden Tage und Wochen werden entscheidend sein, um die Vertrauensbasis wiederherzustellen und angemessene Schutzmaßnahmen zu implementieren.