Wendelstag: Tradition und Pilgerfreude am 20. Oktober im Osterbach!
Am 20. Oktober feiern Pilger den Wendelstag am historischen Käppele in Hausach, einst besucht von vielen prominenten Gästen.
Wendelstag: Tradition und Pilgerfreude am 20. Oktober im Osterbach!
Der Wendelstag, der Tag des heiligen Wendelin, wird am 20. Oktober gefeiert und hat für viele Gläubige eine besondere Bedeutung. In diesem Jahr findet die Feier jedoch bereits zwei Tage zuvor statt – am Freitag um 8.30 Uhr in der geschichtsträchtigen Kapelle im Hausacher Osterbach. Diese kleine, aber bedeutsame Kapelle, deren Ursprünge im 18. Jahrhundert liegen, hat im Laufe der Jahre zahlreiche prominente Persönlichkeiten empfangen, darunter Pfarrer und Schriftsteller Heinrich Hansjakob sowie den 2020 verstorbenen Beuroner Erzabt Hieronymus Nietz, der 1988 das Wallfahrtsheiligtum anlässlich seines 250-jährigen Bestehens besuchte.
Die Wendelskapelle, die bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts das Ziel zahlloser Wallfahrer aus der Umgebung war, hat eine beeindruckende Vergangenheit. Historische Berichte erzählen von Gläubigen, die aus verschiedenen Gemeinden mit Kreuzen und Fahnen dorthin zogen, um ihre Bitten und Anliegen vor dem heiligen Wendelin niederzulegen. Wer es nicht zum Grab des Heiligen in der Basilika in St. Wendel geschafft hat, fand hier eine Alternative in St. Wendel bei Bottenau oder anderen Wendelskapellen der Umgebung. Besonders die Kinzigtäler zogen es vor, die Kapelle im Osterbach aufzusuchen.
Eine lange Geschichte
Die Kapelle wurde im Jahr 1738 von Jakob Bächle erbaut und wurde bald darauf mit der Erlaubnis versehen, Pilger mit Speisen und Getränken zu versorgen. Unter der Leitung von Johann Benz erfuhr die Kapelle 1778 eine Erweiterung, die bis heute erhalten ist. Heinrich Hansjakob, der ein großes Interesse an der Kapelle hatte, unternahm am 26. Mai 1896 einen Besuch. In seinen Tagebuchaufzeichnungen „Im Paradies“ beschrieb er seine Ankunft und war zunächst enttäuscht von der bescheidenen Erscheinung der Kapelle.
Hansjakobs Schilderungen zeichnen ein Bild von einem „kleinen, feuchten Kirchlein“, das eher unscheinbar als prächtig wirkte. Diese Schlichtheit schien jedoch gerade das zu sein, was der heilige Wendelin so sehr schätzte. Von den Wänden hingen Votivgeschenke, die von den erfüllten Bitten der Gläubigen zeugten. Obwohl Hansjakob eingeladen wurde, in der Stube der Kapellenwärterin Platz zu nehmen, zog er es vor, sich von seiner alten Leidensgefährtin zu verabschieden, in der Hoffnung, dass der heilige Wendelin eines Tages ein prächtigeres Heiligtum erhalten würde.
Traditionen am Wendelstag
Am Freitag werden erneut zahlreiche Gläubige zusammenkommen, um den Wendelstag zu feiern. Die Feierlichkeiten beginnen mit einem Gottesdienst, gefolgt von Geselligkeit und der traditionellen Wendelsjagd, an der die Waidmänner teilnehmen. Diese tief verwurzelte Tradition zeigt, dass die Legenden und Bräuche rund um den heiligen Wendelin auch heute noch lebendig sind.
Die Kapelle des heiligen Wendelin hat sich über die Jahre hinweg zu einem spirituellen Zufluchtsort für Gläubige entwickelt, die sowohl Trost als auch Gemeinschaft suchen. Der Wendelstag ist nicht nur ein religiöses Fest, sondern auch eine Möglichkeit für die Menschen, sich mit ihrer Geschichte und ihren Wurzeln zu verbinden, was die Bedeutung dieses Ereignisses im Alltagsleben der Menschen im Kinzigtal unterstreicht. Zudem wird die diesjährige Feier unabdingbar von den Erzählungen und Erinnerungen der vergangenen Jahrhunderte geprägt, die viele Teilnehmer mit ihren Familien und Freunden teilen werden.