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Deutschland hat im Jahr 2022 sein selbst gestecktes Klimaziel erreicht, jedoch die europäischen Vorgaben verfehlt. Dies geht aus einer Studie hervor, die von der Agora Energiewende veröffentlicht wurde. Laut den aktuellen Daten wurden 656 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente ausgestoßen, was einem Rückgang von knapp drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht.
Dieser Rückgang stellt den dritten in Folge dar und ist der niedrigste Ausstoß seit den 1950er Jahren. Im Vergleich zu 1990 ist der Treibhausgas-Ausstoß um 48 Prozent gesunken. Dennoch hat Deutschland sein EU-Klimaziel um zwölf Millionen Tonnen CO2 verfehlt. Dabei sanken die Emissionen in den Bereichen Gebäude und Verkehr jeweils um zwei Millionen Tonnen, was hauptsächlich auf die milde Witterung und weniger Lkw-Verkehr zurückzuführen ist. Im Pkw-Verkehr hingegen kam es zu einem Anstieg.
Klimaziele und Herausforderungen
Die Emissionen im Gebäudebereich überschritten das festgelegte Unterziel um neun Millionen Tonnen CO2, während die Emissionen im Verkehr um 19 Millionen Tonnen über dem Ziel lagen. In der Industrie stiegen die Emissionen um drei Millionen Tonnen CO2, es wurde jedoch das Klimaziel um zehn Millionen Tonnen CO2 unterschritten. Deutschland plant, bis 2030 den Treibhausgas-Ausstoß um 65 Prozent im Vergleich zu 1990 zu senken und bis 2045 klimaneutral zu werden.
Die europäischen Vorgaben verlangen eine Reduktion der Emissionen um die Hälfte bis 2030 im Vergleich zu 2005. 80 Prozent der fallenden Emissionen sind auf die Energiewirtschaft und den Umstieg auf erneuerbare Energien zurückzuführen. Im Jahr 2022 wurden Kohlekraftwerke mit einer Gesamtkapazität von 6,1 Gigawatt stillgelegt. Zudem wurden 55 Prozent des Bruttostromverbrauchs durch erneuerbare Energien gedeckt.
Experten warnen vor möglichen hohen Kosten durch das Verfehlen des EU-Ziels und drohenden Strafzahlungen. Es besteht weiterhin ein Bedarf an Anpassungen, um den wachsenden Anteil erneuerbarer Energien zu integrieren, wie beispielsweise mehr Stromspeicher und digitale Stromzähler. Gleichzeitig sind die Strompreise an den Börsen im Vergleich zum Vorjahr gesunken, was den Verbrauchern Einsparungen ermöglicht.
Zusätzlich werden Vorschläge für Anreize zur Förderung von Klimaschutz, wie reduzierte Netzentgelte für Wärmepumpen und bessere Steuerregelungen für Elektroautos, diskutiert. Der Bericht basiert auf Daten der AG Energiebilanzen, ergänzt durch Schätzungen.
In einem umfassenderen Kontext zur Klimapolitik zeigte die Agora Energiewende vor zehn Jahren erstmals eine Schätzung der deutschen Treibhausgasemissionen. Die aktuelle Analyse verdeutlicht die Trends bei den Emissionen und deren Entwicklungen. Anlässlich der Bundestagswahl im Februar 2025 wird ein Ausblick auf energie- und klimapolitische Prioritäten erwartet. Die Klimapolitik zeigt Wirkung, wenn sie politisch stabil und über Legislaturperioden hinweg vorangetrieben wird.
Dennoch wird die mangelnde strukturelle Dynamik im Verkehr, bei Gebäuden und in der Industrie als hinderlich für die Erreichung der Klimaziele angesehen. Es ist notwendig, parteipolitische Gräben zu überwinden und Planungssicherheit für Zukunftsinvestitionen zu schaffen. Grundlage für zukünftige Maßnahmen sollte eine differenzierte Analyse des aktuellen Stands der energie- und klimapolitischen Situation in Deutschland sein, wie Radio Hochstift und Agora Energiewende berichten.
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