Bundeskanzler Christian Stocker hat die Pläne für eine Volksbefragung zur Wehrpflicht bekannt gegeben. Die Befragung wird sich auf zwei Varianten zur Verlängerung des Wehrdienstes konzentrieren, während der derzeitige Status quo von sechs Monaten Präsenzdienst nicht zur Abstimmung angeboten wird. Laut oe24 ist ein paralleler parlamentarischer Prozess geplant, der die Diskussion um die Wehrdienstreform begleiten soll.
Die Wehrdienstreformkommission hat bereits mehrere Modelle zur Stärkung der Wehrfähigkeit ausgearbeitet, darunter eine Verlängerung des Grundwehrdienstes auf acht Monate und die Wiedereinführung verpflichtender Milizübungen. Eine der vorgeschlagenen Varianten, das Modell „Österreich plus“, sieht vor, dass nach dem Grundwehrdienst innerhalb von zehn Jahren 60 Tage Milizübungen absolviert werden müssen. Auch eine Verlängerung des Zivildienstes auf mindestens zwölf Monate steht zur Diskussion, wie Die Presse ergänzt.
Reaktionen auf die Pläne
Stocker äußerte in seiner Rede zur Lage der Nation, dass die Volksbefragung ein wichtiges Zeichen für die Richtung der Wehrdienstreform sein kann. Er geht davon aus, dass sowohl die SPÖ als auch die NEOS einer solchen Befragung zustimmen werden. Kritiker aus den Reihen der SPÖ und der NEOS zeigen sich jedoch zurückhaltend. Vizekanzler Andreas Babler betont, dass die Notwendigkeit einer Volksbefragung auf Regierungsebene besprochen werden sollte, während Neos-Generalsekretär Douglas Hoyos die Bedeutung eines parlamentarischen Prozesses hervorhebt.
Die Grünen unterstützen die Idee einer Volksbefragung und fordern, die Stimmen junger Menschen in die Debatte einzubeziehen. Gleichzeitig ist es auch von Interesse, ob FPÖ-Chef Herbert Kickl eine Erweiterung der Volksbefragung um die Frage anstrebt, ob weitere Steuergelder in die Ukraine fließen sollten.
Gesundheitspolitische Leitlinien
Ein weiterer Aspekt von Stockers Ankündigungen betrifft die Gesundheitsversorgung von Asylwerbern. Zukünftig sollen diese nur eine Basisgesundheitsversorgung erhalten, die Akuterkrankungen, Schmerzzustände und Schwangerschaften abdeckt. In diesem Zusammenhang kritisiert er, dass Menschen, die lange in das System einzahlen, bisweilen auf Termine warten müssen, während Asylwerber sofortige Versorgung erhalten.
Stocker kündigte auch eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel ab Juli an, wobei Fleisch von dieser Regelung ausgenommen bleibt, was auf bürokratische Komplikationen zurückzuführen ist. Diese Maßnahmen kommen in einer Zeit, in der die Inflation im Jänner auf 2% gesunken ist, was Stocker als positives Zeichen wertet.
Wirtschaftliche Perspektiven
In der Wirtschaft sehen die Zeichen ebenfalls positiv aus. Ein wirtschaftliches Wachstum von 1% wird als wichtiger Schritt nach mehreren Jahren der Rezession gewertet. Stocker hat einen klaren Plan zur Senkung der Lohnnebenkosten, der jedoch vom Budget abhängt. Trotz aktueller Reibungen innerhalb der Koalition betont der Kanzler, dass die Zusammenarbeit weiterhin gut funktioniert. Unterstützt wird er dabei auch von Klubobmann August Wöginger, der derzeit rechtlichen Herausforderungen gegenübersteht, jedoch auf einen Freispruch hofft.
Die Debatte über die Wehrpflicht und die anstehenden Reformen spiegelt eine größere Diskussion wider, die auch in anderen europäischen Ländern geführt wird. So wird beispielsweise in Deutschland über die Wiedereinführung der Wehrpflicht diskutiert, um dem Personalmangel und den gestiegenen Sicherheitsanforderungen entgegenzuwirken. In Ländern wie Schweden werden solche Modelle bereits erfolgreich umgesetzt.
Die anstehende Volksbefragung wird mit Spannung erwartet, da sie maßgeblichen Einfluss auf die zukünftige Wehrdienstpolitik Österreichs haben könnte. Die Stimmen der Bevölkerung spielen eine entscheidende Rolle in dieser wichtigen Debatte über die nationale Sicherheit und Verteidigungsbereitschaft.