In einem aktuellen Interview spricht Charlotte Casiraghi, Tochter von Prinzessin Caroline von Hannover, offen über die Herausforderungen der Mutterschaft. Die 39-Jährige, die bald ihr Buch „La fêlure“ („Der Riss“) veröffentlichen wird, beleuchtet darin ihre persönlichen Erfahrungen als Mutter von zwei Söhnen, Raphaël und Balthazar. Die Veröffentlichung ist für den 29. Jänner 2026 geplant und stellt ihr Debüt als alleinige Autorin dar. Casiraghi kritisiert in diesem Kontext die idealisierten Bilder von Müttern und hebt hervor, dass die Realität vielschichtiger ist und von der individuellen Situation jeder Frau abhängt. Sie bemerkt, dass viele Frauen sich schuldig fühlen, wenn sie einer Erwerbstätigkeit nachgehen oder Freiraum für sich selbst fordern. Diese emotionalen und physischen Belastungen seien insbesondere für berufstätige Frauen verstärkt spürbar.
In dem Interview erklärt Casiraghi außerdem, dass Mutterschaft einen „radikalen Wandel“ darstellt, der Frauen und Männer unterschiedlich betrifft. Ihr ältester Sohn, Raphaël, wurde 2013 geboren, sein Vater ist der Komiker Gad Elmaleh, während ihr jüngerer Sohn Balthazar 2018 zur Welt kam, dessen Vater der Filmproduzent Dimitri Rassam ist. Mit ihrer Trennung hat Casiraghi einen weiteren Aspekt des Wandels in ihrem Leben thematisiert.
Gesellschaftliche Einstellungen zu Elternrollen
Die Diskussion um die Realität von Müttern wird von den gesellschaftlichen Einstellungen zu Elternrollen untermauert. Eine aktuelle Erhebung zeigt signifikante Veränderungen im Denken über berufstätige Mütter. Noch vor wenigen Jahren glaubten 42 % der Befragten, dass ein Kind unter sechs Jahren leidet, wenn die Mutter arbeitet; heute sind es nur noch 23 %. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in der nachlassenden Zustimmung zu der Vorstellung wider, dass Frauen sich stärker auf die Familie als auf den Beruf konzentrieren sollten. Aktuell sind lediglich 21 % dieser Ansicht.
Eine Umfrage ergab, dass 82 % der Befragten überzeugt sind, dass berufstätige Mütter eine ebenso innige Beziehung zu ihren Kindern haben können wie nicht erwerbstätige Mütter. Dies zeigt eine wachsende Akzeptanz für die Erwerbstätigkeit von Müttern, während in der gesellschaftlichen Wahrnehmung gleichzeitig immer noch eine starke Verbindung von Fürsorgearbeit mit weiblichen Rollen besteht. Trotz dieser Fortschritte bestätigen 17 % der Väter, dass sie mehr als ihren gerechten Anteil an Hausarbeit übernehmen, während über 50 % der Mütter dasselbe berichten.
Der Wandel in den Rollenbildern
Der gesellschaftliche Wandel spiegelt sich nicht nur in veränderten Einstellungen wider, sondern auch in den Regularien, die zunehmend Fortschritte für berufstätige Mütter begünstigen. Der Anteil der Mütter mit minderjährigen Kindern, die erwerbstätig sind, betrug 2022 etwa 69 %. Die Akzeptanz einer Vollzeiterwerbstätigkeit steigt zudem mit dem Alter des jüngsten Kindes.
Ein weiterer Aspekt ist die schrittweise Abnahme der Bedeutung von Kindern für ein erfülltes Leben, was für beide Geschlechter gilt. Die Bereitschaft zur gleichmäßigen Aufteilung von Fürsorge- und Haushaltspflichten ist zunehmend gegeben, jedoch bleibt die Hauptlast weiterhin bei den Müttern. Während der Frauenanteil in der Erwerbstätigkeit in den letzten Jahren gestiegen ist, zeigt sich, dass Mütter häufig in Teilzeit arbeiten, was sich negativ auf ihr zukünftiges Erwerbs- und Renteneinkommen auswirken kann.
Charlotte Casiraghi fordert in ihrem Gespräch ein Überwinden von moralischen Bewertungen und spricht sich für mehr Verständnis und Mitgefühl aus. Ein erster Schritt dazu sei, die eigene Verletzlichkeit einzugestehen. Der Wandel in den gesellschaftlichen Einstellungen und der rechtlichen Rahmenbedingungen wird von Experten als notwendig erachtet, um auch weiterhin Fortschritte in der Gleichstellung von Müttern und Vätern zu fördern.