Am Donnerstag wurde Istanbul von einem Erdbeben der Stärke 5,0 erschüttert, das seinen Ursprung im Marmarameer hatte und in einer Tiefe von 6,7 Kilometern lokalisiert wurde. Die Erdbebenwarte Kandilli gab die Stärke sogar mit 5,3 an. Die Erschütterungen waren sowohl in der europäischen als auch in der asiatischen Seite der Stadt deutlich spürbar und führten dazu, dass viele Menschen ihre Gebäude verließen und sich auf den Straßen versammelten. Trotz der panischen Reaktionen gab es zunächst keine Berichte über Schäden oder Verletzte. Laut Kleine Zeitung liegt die Türkei in einer seismisch aktiven Zone, in der häufiger mit Erdbeben gerechnet werden muss.

Experten warnen außerdem vor der Wahrscheinlichkeit schwerer Erdbeben in der Marmara-Region. Insbesondere eine Verwerfungslinie vor der Küste Istanbuls gilt als potenzieller Ausgangspunkt für ein zukünftiges starkes Beben, das möglicherweise eine Magnitude von 7 erreichen könnte. Bereits im April 2025 erschütterte ein Erdbeben mit einer Stärke von 6,2 die Stadt und verursachte bei der Bevölkerung große Unsicherheit.

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Die Erdbebensituation in Istanbul

Istanbul liegt in einer erdbebengefährdeten Zone, die entlang der Nordanatolischen Verwerfung verläuft. Wie DTJ Online berichtet, war das Beben im April, das mit einem Epizentrum im Marmarameer nahe Silivri auftrat, das stärkste, das die Stadt seit über 25 Jahren erlebte. Es führte zu Verletzungen von mindestens 151 Personen, die hauptsächlich durch Panikflucht aus höheren Geschossen resultierten. Größere Gebäudeschäden oder Todesopfer blieben aus, dennoch wurde die Notwendigkeit von Vorbereitungen für zukünftige Erdbeben dringend betont.

Die Meinungen über die zukünftige Erdbebengefahr gehen allerdings stark auseinander. Prof. Dr. Naci Görür warnt vor einem bevorstehenden schweren Erdbeben in der Marmara-Region und fordert, dass die Behörden entsprechende Vorbereitungsmaßnahmen treffen. Dem entgegen steht Prof. Dr. Şener Üşümezsoy, der die Gefahr eines großen Bebens als gering einschätzt und argumentiert, dass die Bruchzonen bereits in der Vergangenheit entladen wurden.

Die immense Gefahr von Mega-Erdbeben

Die Nordanatolische Verwerfung, die etwa 20 Kilometer vom Zentrum Istanbuls verläuft, kann laut Deutschlandfunk enorme Spannungsenergie speichern und ein zukünftiges Mega-Erdbeben mit einer Magnitude von bis zu 7,4 erzeugen. Ein solches Beben könnte in Istanbul 60-mal stärker als das aktuelle Beben sein und potenziell Hunderttausende Leben bedrohen.

In Istanbul sind viele der über 1,2 Millionen Gebäude, viele davon aus der Zeit vor 1999 und von minderer Qualität, nicht erdbebensicher. Kritiker bemängeln die unzureichenden Kontrollen und die langsame Umsetzung von Sanierungen. Ein vollständiges Erdbebensicherheitsprogramm für die Stadt würde geschätzte zehn Jahre und ein enormes Budget in Höhe des gesamten Bruttoinlandsprodukts der Türkei erfordern. Die Bevölkerung ist sich der Risiken bewusst, dennoch bleiben viele Menschen in der Stadt. Nur einige wohlhabende Istanbuler ziehen in weniger gefährdete Gebiete.

Aktuelle Studien schätzen die Wahrscheinlichkeit eines Bebens der Magnitude ≥7 bis 2030 auf etwa 60%. Zudem wird darauf hingewiesen, dass die Gefahr von Tsunamis im Marmarameer ebenfalls besteht. Der letzte Vorfall hat die Bevölkerung und die Behörden wachgerüttelt und eindringlich vor zukünftigen Gefahren gewarnt.