In den ersten zehn Tagen des Jahres 2026 sind bereits vier Migranten in Gewahrsam der US-Einwanderungsbehörden (ICE) gestorben. Diese tragischen Vorfälle sind ein besorgniserregendes Zeichen für die Zustände in den Einrichtungen und fallen zeitlich zusammen mit einem erschütternden Gewalttat in Minneapolis, bei dem ein ICE-Beamter eine Mutter erschoss. Die Verstorbenen stammen aus verschiedenen Ländern: zwei Personen aus Honduras, eine aus Kuba und eine aus Kambodscha. Im gesamten Jahr 2025 starben mindestens 30 Menschen in ICE-Gewahrsam, der höchste Stand seit zwei Jahrzehnten, was auf ernsthafte Missstände innerhalb des Systems hinweist. Laut ICE-Statistik vom 7. Jänner befanden sich zu diesem Zeitpunkt 69.000 Menschen in Gewahrsam der Behörde.
Am 8. Jänner 2026 ereignete sich in Minneapolis ein Vorfall, der landesweite Verärgerung und Proteste auslöste. Ein ICE-Beamter erschoss die 37-jährige Reneé Nicole Good, während sie nach der Absetzung ihrer Kinder in der Schule auf dem Heimweg war. Stadtbeamte berichteten, dass zahlreiche Bürger an diesem Tag besorgt über die Präsenz der ICE-Angehörigen waren. Während die behördlichen Vertreter von Notwehr sprachen, zeigten Videoaufnahmen, dass Good nicht aus ihrem Fahrzeug ausstieg, bevor sie mehrfach beschossen wurde. Bürgermeister Jacob Frey und andere lokale Politiker kritisierten die Darstellung des Vorfalls und forderten eine transparentere Untersuchung.
Proteste und Hintergrund der Gewalttaten
Die Reaktion auf den Vorfall war heftig. Hunderte von Menschen protestierten gegen die Handlungsweise der ICE in Minneapolis, was die Erinnerungen an den Mord an George Floyd im Mai 2020 wieder wachrief. Bei diesem Vorfall in Minneapolis ist unklar, ob der Beamte von dem Fahrzeug der Good berührt wurde, während er möglicherweise auf der eisigen Straße ausrutschte. Die US-Regierung unter Präsident Donald Trump hatte zunächst die Verantwortung für die Ermittlungen an das FBI übertragen, wodurch lokale und staatliche Behörden ausgeschlossen wurden. Dies führte zu offenen Streitfragen über die Jurisdiktion und die Möglichkeit einer Anklage gegen die verantwortliche Person.
Gleichzeitig finden weiterhin ICE-Operationen in Minneapolis und St. Paul statt, bei denen mehr als 2.000 Bundesbeamte mobilisiert wurden, um angeblichen Betrug zu untersuchen, insbesondere innerhalb der somalischen Community. Ein weiteres erschütterndes Ereignis folgte einen Tag nach dem tödlichen Vorfall, als ICE-Beamte in Oregon auf zwei Personen schossen und diese verletzten. Diese kontinuierliche Häufung von Gewalt und der Tod von Migranten in Gewahrsam lassen die Debatte über die Behandlung von Einwanderern in den USA erneut aufflammen und werfen Fragen über die Rechtfertigungen für solche Einsätze auf.
Die politische Diskussion zum Thema verschärft sich, insbesondere vor dem Hintergrund von Trumps Aussagen, dass Good den Beamten „gewaltsam und vorsätzlich“ angegriffen habe. Dabei widersprechen lokale Behörden den Darstellungen der Bundesregierung. Trumps Administration plant unterdessen eine Ausweitung der Abschiebungen, was eine weitere Erhöhung der Spannungen zur Folge haben könnte.
Insgesamt verdeutlichen die jüngsten Vorfälle die komplexe und oft tragische Realität, mit der Migranten in den USA konfrontiert sind, sowie die anhaltenden Herausforderungen in der Einwanderungspolitik.
Die Entwicklungen in Minneapolis und der Zustand der ICE-Gewahrsamseinrichtungen bedürfen dringender Aufmerksamkeit von den Behörden und der Gesellschaft, um eine Wiederholung solcher tragischen Ereignisse zu verhindern.
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