Am 24. Januar 2026 wurde bekannt, dass die Waffenruhe zwischen den syrischen Regierungstruppen und den kurdisch geführten Syrischen Demokratischen Kräften (SDF) bis zu einem weiteren Monat verlängert werden soll. Diese Entscheidung wurde in einem Abkommen getroffen, das am Sonntag vergangener Woche von dem syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Sharaa und dem SDF-Chef Mazloum Abdi unterzeichnet wurde. Die Feuerpause trat am Dienstag in Kraft und wird als notwendig erachtet, um eine „gegenseitig akzeptable politische Lösung“ zu finden, wie eine kurdische Quelle bestätigt.
Die Verlängerung der Waffenruhe ergibt sich vor allem aus der logistischen Notwendigkeit der Verlegung von inhaftierten Mitgliedern der Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) aus Syrien in den Irak. In diesem Zusammenhang haben die USA angekündigt, rund 7.000 IS-Gefangene aus Syrien zu transferieren. Diesem Prozess vorausgegangen ist die Bewegung von 150 ranghohen IS-Vertretern, die bereits am Mittwoch begonnen wurde und auch Europäer umfasst.
Kämpfe trotz Waffenruhe
Trotz des geltenden Waffenruheabkommens kommt es nach wie vor zu Kämpfen zwischen den SDF und der syrischen Übergangsregierung. Berichten zufolge sind Häftlinge aus IS-Gefängnissen in der Region ausgebrochen, was zu besorgniserregenden Szenen führte, als Angehörige vor einem Gefängnis in Rakka zusammenkamen und auf die Freilassung ihrer Kinder hofften. Nach einem Bericht der syrischen Übergangsregierung konnten 80 der ursprünglich 120 geflohenen IS-Angehörigen wieder eingefangen werden, während die SDF von 1.500 ausgebrochenen IS-Anhängern sprechen.
Die Situation wird zusätzlich kompliziert durch Vorwürfe arabischstämmiger Bewohner in Rakka gegenüber den Kurden, die von willkürlichen Verhaftungen und fehlenden rechtsstaatlichen Verfahren berichten. Zudem beklagen sich kurdische Politiker über die Haltung der syrischen Armee, die vermeintlich IS-Anhänger in ihren Reihen duldet und gegen Zivilisten vorgeht.
Strategische Gebietsverlagerungen
Die syrische Regierung hat unterdessen in mehreren Offensive Gebiete eingenommen und die Kontrolle über strategisch wichtige Ölfelder, wie Al-Omar und Al-Tanak, übernommen. Diese Vorstöße führten unter anderem dazu, dass SDF-Kämpfer ihre Stellungen im östlichen Deir Essor aufgeben mussten. Auch die Stadt Tabqa in Raqqa fiel in die Hände der syrischen Regierung. Die SDF haben dazu aufgerufen, sich zur Mobilisierung innerhalb ihrer Einheiten bereit zu halten, da ein Einklang mit der syrischen Regierung als gescheitert angesehen wird.
Diese Entwicklungen werfen Fragen zur Stabilität in den kurdischen Gebieten auf, die wirtschaftlich bedeutend sind und die seit dem Sturz von Baschar al-Assad umkämpft sind. Viele der zuvor von den SDF gehaltenen Gebiete stehen nun unter staatlicher Kontrolle, wobei die Integration der kurdischen Verwaltung in die syrische Zentralregierung weiterhin ein ungelöstes Problem darstellt. Die USA informieren sich über die Situation und sehen Möglichkeiten, dass die Kurden in einen geeinten syrischen Staat mit Bürgerrechten und politischer Teilhabe integriert werden könnten.
Die Lage bleibt angespannt, und die SDF erneuerten ihren Aufruf an die internationale Koalition, die Situation nicht aus den Augen zu verlieren, während sie sich bemühen, eine Einigung mit der syrischen Regierung zu erzielen.