In den letzten Wochen haben die US-Behörden einen weiteren Tanker in der Karibik beschlagnahmt, was das sechste Schiff in dieser Serie darstellt. Diese Tanker waren allesamt mit venezolanischem Öl beladen oder transportierten es, was den Druck auf die venezolanische Regierung erhöht. Die US-Regierung setzt damit Sanktionen und Beschlagnahmungen ein, um die Einnahmen aus dem Ölverkauf zu minimieren, welche die wichtigste Devisenquelle für Venezuela sind. Kleine Zeitung berichtet, dass eine verstärkte US-Präsenz in der Region auch durch ein bevorstehendes Treffen zwischen dem ehemaligen Präsidenten Donald Trump und dem von der US-Regierung unterstützten venezolanischen Oppositionsführer Juan Guaidó verdeutlicht werden soll.
Die US-Politik bezüglich Venezuela wurde von republikanischen Senatoren stark unterstützt, wobei eine Resolution, die Trump Militäraktionen ohne Genehmigung des Kongresses untersagt hätte, jüngst mit 51 zu 50 Stimmen blockiert wurde. Der Vizepräsident JD Vance gab den entscheidenden Ausschlag. Trump übte Druck auf Parteikollegen aus, die für die Resolution gestimmt hätten, und nur drei republikanische Senatoren stimmten mit den Demokraten.
Wirtschaftliche Interessen und Ölreserven
Die wirtschaftlichen Interessen der USA in Venezuela, insbesondere im Hinblick auf die Ölreserven, sind enorm. Trump bekräftigte, dass er von „gestohlenem Öl“ spricht, das er mit Unterstützung nordamerikanischer Firmen zurückholen möchte. Venezuela verfügt über die größten Ölreserven der Welt mit etwa 303 Milliarden Barrel, was 17 Prozent der globalen Reserven entspricht. Diese sind vor allem im Orinoco-Gürtel konzentriert, einer Region von 55.000 Quadratkilometern. Dennoch fiel die Fördermenge im Jahr 2025 auf gerade einmal 1,1 Millionen Barrel pro Tag, was nur einem Prozent der weltweiten Ölproduktion entspricht.Tagesschau hebt hervor, dass die Produktion weniger als ein Drittel der Menge aus den 1970er Jahren ausmacht und die US-Ölindustrie schon seit den 1920er Jahren stark in Venezuela engagiert ist.
Die historischen Spannungen zwischen den USA und Venezuela haben ihren Ursprung in der Verstaatlichung der Ölindustrie durch Hugo Chávez im Jahr 2007, als US-Unternehmen weitgehend enteignet wurden. Trump bezeichnet diese Enteignung als „einen der größten Diebstähle amerikanischen Eigentums“. Experten weisen jedoch darauf hin, dass US-Firmen keinen Rechtsanspruch auf die Ressourcen haben.N-TV beschreibt die aktuellen Bemühungen um die Wiederherstellung der Ölproduktion als kritische Voraussetzung für eine wirtschaftliche Stabilität in Venezuela.
Aktuelle Entwicklungen und zukünftige Perspektiven
Die USA haben mit dem Verkauf von venezolanischem Öl auf der Grundlage eines neuen Abkommens begonnen, welches ein Gesamtvolumen von zwei Milliarden Dollar umfasst. Nach den ersten Transaktionen beliefen sich die Einnahmen auf rund 500 Millionen Dollar, die auf US-kontrollierten Bankkonten verwahrt werden. Als Reaktion auf diese Entwicklungen hat der venezolanische Staatskonzern PDVSA seine Ölproduktion erhöht. Zudem wird dem US-Ölkonzern Chevron eine erweiterte Lizenz zur Ölförderung in Venezuela in Aussicht gestellt.
Trotz der erhöhten Ölproduktion gibt es Bedenken hinsichtlich der maroden Infrastruktur in der venezolanischen Ölindustrie und der ungewissen politischen Führung in der Zukunft. Historische Beispiele, wie die Konflikte im Irak und Libyen, zeigen, dass US-Firmen nicht immer von Regimewechseln profitieren. Die Ölpreise sind in der letzten Zeit gesunken, aber eine steigende venezolanische Produktion könnte mittelfristig dämpfend auf die Preise wirken, während Chevron als einer der größten Gewinner gilt, ohne jemals vollständig aus dem Land abgezogen zu sein.
Die Situation in Venezuela bleibt somit komplex und die geopolitischen sowie wirtschaftlichen Interessen der USA an den reichhaltigen Ölreserven des Landes sind nach wie vor von zentraler Bedeutung.