Im Sudan haben wiederholt gewalttätige Angriffe durch die RSF-Miliz und deren verbündete SPLM-N in den letzten Tagen für Entsetzen gesorgt. Der Verwaltungschef der Region hat die Verantwortlichen für die Angriffe benannt, die zuerst einen Kindergarten und später ein Krankenhaus und Zivilisten angriffen, die versuchten, Kinder in Sicherheit zu bringen. Die örtlichen Behörden berichteten von mindestens 80 Toten, darunter 40 Kinder, während das sudanesische Außenministerium 79 Opfer, davon 43 Kinder, meldete. Die Afrikanische Union (AU) spricht von über 100 Toten. UNICEF bestätigte, dass mehr als zehn der Toten zwischen fünf und sieben Jahren alt sind.

In einer starken Verurteilung der Angriffe äußerte der AU-Kommissionspräsident Mahmoud Ali Youssouf sein Entsetzen über die Gräueltaten an Zivilisten. Zudem vermeldete das Welternährungsprogramm (WFP) einen Angriff auf einen Lastwagen mit humanitären Gütern in Nord-Dafur, bei dem der Fahrer schwer verletzt wurde. Die RSF ihrerseits beschuldigt die sudanesische Armee, Hilfslieferungen zu blockieren und hat einen Drohnenangriff auf den Grenzübergang Adre zum Tschad gemeldet. Bisher hat sich die sudanesische Armee nicht zu diesen Vorwürfen geäußert. In diesem Zusammenhang eroberte die RSF Ende Oktober die Stadt Al-Fashir, die letzte große Stadt im westsudanesischen Bundesstaat Darfur, die noch nicht unter ihrer Kontrolle stand. Berichten zufolge kam es dort zu zahlreichen Gräueltaten, einschließlich Massenhinrichtungen.

Politische Entwicklungen und Bürgerkrieg

Der Bürgerkrieg im Sudan dauert seit April 2023 an und sieht einen direkten Konflikt zwischen den Streitkräften von Militärherrscher Abdel Fattah al-Burhan und der RSF unter dem Kommando von Mohamed Hamdan Dagalo. Eine bemerkenswerte politische Entwicklung ereignete sich im Februar 2025, als die Sudan People’s Liberation Movement-North (SPLM-N), unter der Leitung von Abdelaziz al-Hilu, eine Allianz mit den RSF bildete. Dies geschah während einer Konferenz im Kenyatta International Convention Centre in Nairobi, Kenia. Ziel dieser Zusammenarbeit scheint eine Intensivierung des Bürgerkriegs zu sein, insbesondere in den Nuba-Bergen, die während des Konflikts relativ friedlich blieben.

Al-Hilu und der stellvertretende RSF-Kommandeur Abdelrahim Dagalo kündigten die Schaffung einer „Parallelregierung“ an, die die militärische Verwaltung in Port Sudan herausfordern soll. Al-Hilu betonte die Notwendigkeit, die gewalttätigen Strukturen des bestehenden Staates abzubauen und ein neues Regierungsmodell einzuführen, das auf Gleichheit und Gerechtigkeit basiert. Dies weckt Bedenken hinsichtlich einer möglichen Eskalation der Feindseligkeiten in der Region. Die sudanesische Regierung verurteilte die Konferenz und betrachten diese als Verletzung ihrer Souveränität.

Historischer Kontext und aktuelle Lage

Der Sudan, ein Land in Nordostafrika, ist mit einer Fläche von 1.886.068 Quadratkilometern das drittgrößte Land Afrikas. Die Bevölkerung wird auf etwa 50 Millionen geschätzt und die Hauptstadt ist Khartum. Das Land hat eine lange und komplexe Geschichte, die von kulturellen Einflüssen aus mehreren Epochen geprägt ist. Seit seiner Unabhängigkeit im Jahr 1956 kämpfte Sudan wiederholt mit internen Konflikten, darunter eine langanhaltende Bürgerkriegsperiode, die 2011 zur Unabhängigkeit von Südsudan führte.

Die derzeitige Situation im Sudan ist von Kolonialgeschichte, ethnischen Spannungen und einem tief verwurzelten Mangel an Ressourcen geprägt, der über 60 Prozent der Bevölkerung in Armut hält. Nach dem Sturz von Omar al-Bashir im Jahr 2019 und dem anschließenden Übergang zu einer zivil geführten Regierung ist das Land weiterhin von Instabilität und Menschenrechtsverletzungen betroffen.

Die internationale Gemeinschaft beobachtet die Situation im Sudan mit Besorgnis, insbesondere hinsichtlich der zunehmenden Gewalt und der humanitären Krise, die sich inmitten politischer Unsicherheiten und militärischer Auseinandersetzungen weiter zuspitzt.