Am 4. Dezember 2025 fanden im Hauptquartier der UNO-Friedensmission für den Libanon (UNIFIL) in Naqura die ersten offiziellen Gespräche zwischen Regierungsvertretern aus Israel und dem Libanon seit Jahrzehnten statt. Libanesischer Präsident Joseph Aoun kündigte an, dass die Dialogrunde am 19. Dezember fortgesetzt wird. Trotz der überwiegend als wenig produktiv empfundenen ersten Begegnung bezeichnete Aoun sie als wichtigen Schritt in Richtung weiterer Verhandlungen.
Der Libanesische Regierungschef Nawaf Salam betonte, dass die Gespräche mit Israel nicht als Friedensverhandlungen betrachtet werden können. Dennoch ließ er eine mögliche Entwaffnung der Hisbollah-Miliz bis Ende des Jahres in Aussicht stellen. Dies erfolgt im Kontext der im November 2024 in Kraft getretenen Waffenruhe, die auch die Kontrolle der libanesischen Armee über das südliche Grenzgebiet zu Israel in Aussicht stellt. Israelaus Regierungschef Benjamin Netanyahu äußerte sich optimistisch zu den Gesprächen und sprach von einer „positiven Atmosphäre“.
Die Rolle der Hisbollah
Die Entwaffnung der Hisbollah ist jedoch zentraler Bestandteil der Gespräche und eine Voraussetzung für Israel, um seine militärischen Angriffe im Libanon einzustellen. Israel hat am 4. Dezember 2025 gezielte Angriffe auf „Terror-Ziele der Hisbollah“ durchgeführt, was die Spannungen in der Region weiter anheizte. Berichte sprechen von Angriffen auf Dörfer wie Mahrouna und Chebaa, was die besorgniserregende Eskalation der Auseinandersetzung zwischen Israel und der Hisbollah verdeutlicht.
Hisbollah-Chef Naim Kassim warnte, dass die Umsetzung der Entwaffnungspläne zu einem neuen Bürgerkrieg führen könnte. Er beschuldigte die libanesische Regierung, sich als Handlanger Israels und der USA zu betätigen, und forderte eine Rückkehr zu Verhandlungen. Salam wies diese Kritik als inakzeptable Drohung zurück und forderte die Hisbollah auf, ihre Waffen an die offizielle Armee abzugeben.
Internationale Dimension
Die USA haben den Druck auf die libanesische Regierung erhöht, die Hisbollah zu entwaffnen, um einen Rückfall in weitere militärische Auseinandersetzungen zu verhindern. Bei den Gesprächen waren auch zivile Vertreter beteiligt, unter ihnen der ehemalige libanesische Botschafter Simon Karam und Uri Resnick, ein Mitglied des israelischen Nationalen Sicherheitsrates. Die US-Botschaft im Libanon begrüßte deren Teilnahme als wichtigen Schritt in Richtung regionaler Stabilität.
Trotz der Bemühungen um einen Dialog bleibt die militärische Lage angespannt. Die libanesische Armee ist angewiesen worden, die militärische Infrastruktur der Hisbollah südlich des Litani-Flusses zu zerstören. Dennoch sieht Israel die Fortschritte in der Umsetzung dieser Anweisung als unzureichend an. Die Realität bleibt von gegenseitigen Vorwürfen über Verletzungen der Waffenruhe geprägt, während beide Seiten sich auf eine mögliche erhebliche Eskalation vorbereiten.