Swetlana Tichanowskaja, die prominente belarussische Oppositionspolitikerin, stellte beim 17. Europäischen Mediengipfel in Seefeld die enge Verflechtung des Schicksals von Belarus und der Ukraine heraus. In ihrer Rede betonte sie die Dringlichkeit, den Kampf gegen den belarussischen Machthaber Alexander Lukaschenko zu unterstützen und forderte die Europäer dazu auf, sich für ein freies Belarus einzusetzen. Tichanowskaja erklärte, dass der Sieg der Ukraine auch für andere Länder wie Moldawien, Georgien und Armenien sowie für Europa von großer Bedeutung sei. „Die belarussische Bevölkerung steht an der Seite der Ukraine“, sagte sie.https://www.vienna.at/ukraine-sieg-laut-tichanowskaja-fuer-belarus-bedeutend/9855176

Die Oppositionspolitikerin, die bei den Präsidentschaftswahlen 2020 kandidierte und die sich als wahre Siegerin sieht, war nach ihrem Exil in Litauen zur Stimme des Widerstands geworden. Sie trägt ein charakteristisches weiß-rot-weißes Plastikbändchen, welches für die Freiheit von Belarus steht. Diese Farben haben historische Wurzeln, da sie für die erste Flagge der unabhängigen belarussischen Volksrepublik von 1918 und die Nachfolgerflagge von 1991 stehen. In Belarus drohen jedoch Verfolgung und Haft für das Tragen dieser Farben, was das Risiko und den Mut der Opposition unterstreicht.https://taz.de/Weiss-/!6132942&s=Druck/

Die Rolle von Lukaschenko und Putin

Tichanowskaja machte deutlich, dass die Beziehung zwischen Lukaschenko und dem russischen Präsidenten Putin von symbiotischer Natur ist, wobei sie die autoritäre Politik Lukaschenkos kritisierte, die Belarus näher an Russland bringe. Sie forderte ein Ende der Versuche, Lukaschenko als Puffer gegen Putin zu betrachten. Ihrer Ansicht nach müsse die Welt Belarus vor beiden Anführern retten, nicht nur vor dem einen. Tichanowskaja skizzierte zudem zwei mögliche Zukunftsszenarien für Belarus: eines, das von Armut und Besatzung geprägt ist, und ein anderes, das Demokratie und Freiheit bietet.https://www.vienna.at/ukraine-sieg-laut-tichanowskaja-fuer-belarus-bedeutend/9855176

Die Oppositionspolitikerin berichtete von den Bemühungen, alternative Institutionen im Exil aufzubauen und die Beziehungen zur EU und den USA zu stärken. Tichanowskaja fordert eine umfassende Belarus-Strategie von Seiten Europas und warnt davor, dass das Land nicht als „Trostpreis“ für Putin dienen dürfe. Sie sieht in einem atomwaffenfreien Belarus und dem Abzug russischer Truppen langfristige Ziele.https://taz.de/Weiss-/!6132942&s=Druck/

Politische Repression und das Schicksal von Gefangenen

Die Situation der politischen Gefangenen in Belarus bleibt alarmierend. Tichanowskaja informierte über die weit verbreitete Repression und die schlechten Bedingungen in belarussischen Gefängnissen. Über 1.200 politische Gefangene sind derzeit inhaftiert, darunter bedeutende Persönlichkeiten wie die Friedensnobelpreisträger Ales Bialiatski und Maria Kolesnikowa. Im Juni 2023 wurde ihr Mann, Sergej Tichanowski, der vor den Wahlen verhaftet wurde, freigelassen. Seine Inhaftierung war aufgrund des Vorwurfs der Organisation von Massenunruhen.https://www.derstandard.de/story/3000000286268/swetlana-tichanowskaja-die-repressionen-haben-nie-aufgehoert

Tichanowskaja fordert einen internationalen Hilfsfonds für die politischen Gefangenen in Belarus und arbeitet parallel an einer Verfassung für ein zukünftiges demokratisches Belarus. Über 500.000 Menschen haben seit 2020 das Land verlassen, was die tiefen sozialen und wirtschaftlichen Probleme bittersüß verstärkt. Tichanowskaja und ihr Mann kämpfen gemeinsam für die Freiheit ihres Heimatlandes, haben aber unterschiedliche Ansichten über ihre politischen Rollen.https://taz.de/Weiss-/!6132942&s=Druck/

In einem wichtigen Treffen mit Bundeskanzler Friedrich Merz sprach Tichanowskaja über die strategische Bedeutung von Belarus, nicht nur in Bezug auf interne Dynamiken, sondern auch als Sicherheitsrisiko für die EU. Zuletzt kam es in der Region zu hybriden Angriffen und zur Nutzung von Migranten an den EU-Außengrenzen, was den Druck auf die europäischen Nachbarn erhöht.https://taz.de/Weiss-/!6132942&s=Druck/