Am 26. Januar 2026 begann in der Slowakei ein neues Gerichtsverfahren gegen Marian Kocner, der beschuldigt wird, den Mord an dem investigativen Journalisten Jan Kuciak bestellt und bezahlt zu haben. Kuciak, der 2018 brutal erschossen wurde, hatte zuvor über kriminelle Verstrickungen von Politikern und Unternehmern, einschließlich Kocners, berichtet. Das Gericht in Pezinok ist nun mit einer neuen Besetzung von Richtern betraut worden, nachdem der Oberste Gerichtshof die vorherigen Freisprüche Kocners aufgrund von Mangel an Beweisen aufgehoben hatte. Diese Freisprüche hatten bereits internationale Empörung ausgelöst, da sie das Gefühl erweckten, dass der Fall nicht ausreichend verfolgt wird. Kocner, der mehrmals aus Mangel an Beweisen freigesprochen wurde, könnte nun mit einer Haftstrafe von bis zu 25 Jahren rechnen.
Die Ermittlungen im Fall Kuciak sind von großer Bedeutung für die slowakische Gesellschaft, die nach dem Mord an Kuciak und seiner Verlobten Martina Kusnirova, die am 21. Februar 2018 in ihrem Heim erschossen wurden, in Aufruhr geriet. Der Mord führte zu massiven Protesten, die schließlich zur Absetzung von Robert Fico als Regierungschef führten. Doch nun ist Fico, der aufgrund seiner links-populistischen Rhetorik bekannt ist, nach dem Sieg der Parlamentswahl im Herbst 2023 wieder an der Macht. Diese Rückkehr hat Fragen zur Pressefreiheit in der Slowakei aufgeworfen, da Fico in der Vergangenheit Journalisten als „anti-slowakische Huren“ bezeichnete und kritische Berichterstattung als feindlich gegenüber seiner Regierung darstellte.
Der Mordfall und seine Folgen
Der Mord an Kuciak und seine Verlobte haben in der Slowakei tiefe Spuren hinterlassen. Kuciak war erst 27 Jahre alt und hatte bedeutende Recherchen über mutmaßlichen Steuerbetrug und Verbindungen zur italienischen Mafia angestellt. Er hatte ein Strafanzeige gegen einflussreiche Personen erstattet, die ihn bedrohten. Kocner, der in der Vergangenheit wegen gefälschter Wechsel verurteilt wurde, hatte zudem enge Kontakte zur slowakischen Politik und soll Richter bestochen haben. Der Fall bleibt ein zentrales Thema in der slowakischen Gesellschaft, obwohl das Medieninteresse nachgelassen hat. Die slowakische Regierung setzte sogar eine Belohnung von einer Million Euro für Hinweise zur Aufklärung des Mordes aus.
Die Tatsache, dass die Mörder von Kuciak und Kusnirova rechtskräftig verurteilt wurden, gibt dem Fall eine gewisse Aufarbeitung, jedoch bleibt der Drahtzieher Kocner weiterhin umstritten. Zsuzsova, Kocners mutmaßliche Komplizin, hat ebenfalls eine 25-jährige Haftstrafe verbüßt. Trotz der gescheiterten Beweise stimmen viele zu, dass der Fall und die damit verbundenen Recherchen durch Journalisten von großer Bedeutung sind.
Pressefreiheit unter Druck
In der aktuellen politischen Landschaft der Slowakei ist die Freiheit der Presse stark betroffen. Journalist Michal Kovačič, bekannt für seine kritische Berichterstattung, äußerte sich besorgt über die zunehmende Einflussnahme der Regierung auf die Medien und bezeichnete diesen Prozess als eine Art „Orbanisierung“. Kovačič und andere Journalisten sehen sich dem Druck ausgesetzt, ihre Stimmen in einem polarisierten Umfeld zu erheben, in dem viele gewaltsame Vorfälle dokumentiert wurden, einschließlich des Mordes an Kuciak.
Trotz der Herausforderungen rufen Aktivisten und Journalisten in der Slowakei dazu auf, die Pressefreiheit zu verteidigen. Bereits haben Tausende gegen die politischen Einflussnahmen demonstriert, und wichtige Medienvertreter solidarisierten sich, indem sie zum Zeichen der Unterstützung schwarz trugen. Das Streben nach einer kritischen Berichterstattung bleibt für die Demokratie in der Slowakei unerlässlich, auch wenn die Schatten der Vergangenheit noch immer über dem Land lasten.