Michael Roth, ein ehemaliger SPD-Politiker und Europaminister, eröffnet in seinem neuen Buch „Zonen der Angst“ einen tiefen Einblick in seine persönliche und politische Reise. In diesem Werk thematisiert er nicht nur seine politische Karriere, die ihn seit 1998 in den Bundestag führte, sondern auch seine Erfahrungen mit psychischen Erkrankungen. Roth gesteht offen, dass er während seiner Zeit in der Politik mit Depressionen kämpfte und schließlich Therapie in Anspruch nehmen musste. Seine Entscheidung, über diese Themen zu schreiben, war für ihn herausfordernd, aber notwendig, um die Gefahren und Belastungen der politischen Arena offenzulegen. Vienna.at erwähnt, dass Roth seine Kindheit in einer Bergbauhochburg und als Sohn eines gewalttätigen Alkoholikers reflektiert, was seine Sensibilität in der Politik geprägt hat.

Roth prangerte die Hektik und Aggressivität in der politischen Debatte an, die er seit seinem Eintritt in den Bundestag 1998 beobachtet hat. Er äußert Bedenken hinsichtlich des Tons der politischen Auseinandersetzungen und sieht hier eine Bedrohung für die liberale Demokratie. In seinem Buch kritisiert er auch führende Sozialdemokraten wie Rolf Mützenich wegen Differenzen über Waffenlieferungen an die Ukraine. Dabei bleibt Roth seiner politischen Familie, der SPD, auch in der Distanz verbunden, obwohl er sich von der Partei entfremdet fühlte.

Psychische Gesundheit in der Politik

Die Herausforderungen, mit denen Roth konfrontiert war, werfen ein Licht auf das weit verbreitete Problem der psychischen Gesundheit in der Politik. In Bezug auf diesen Aspekt stellt er fest, dass Politik oft hohe Anforderungen an Körper und Geist stellt. Roth spricht sich auch für die Idee eines politikfreien Sonntags aus, um Politikern die Möglichkeit zu geben, Zeit mit Familie und zur Erholung zu verbringen. Diese Vorschläge kommen vor dem Hintergrund einer breiteren Diskussion über die Integration von mentaler Gesundheit in politische Strategien, die von Organisationen wie der WHO aufgegriffen wird. Die WHO plant eine Veranstaltung im Juni 2025, um die Notwendigkeit eines ressortübergreifenden Ansatzes zur psychischen Gesundheit hervorzuheben, in der es darum geht, politische Maßnahmen an den realen Bedürfnissen der Gesellschaft auszurichten, wie berichtet von WHO.

Roth hat sich nach einem Karriereknick im Dezember 2023 entschieden, sein politisches Engagement zu reduzieren und nicht mehr für den Bundestag zu kandidieren. Er bleibt jedoch politisch aktiv und plant, sich weiterhin in gesellschaftlichen Debatten einzubringen. Auch wenn er von der SPD nicht mehr direkt in den Parteivorstand gewählt wurde, zeigt er sich als vehementer Unterstützer des neuen Kanzlers Friedrich Merz und gibt eine klare Warnung vor der AfD ab. Im politischen Kontext sieht Roth eine wachsende Besorgnis über die Kritik an Israel in Deutschland und äußert, dass ihm sein eigenes Land zunehmend fremd geworden sei.

Insgesamt zwingt Roths persönliche und politische Geschichte die Gesellschaft dazu, das Thema psychische Gesundheit ernst zu nehmen, insbesondere in Berufen mit hoher Belastung wie der Politik. Sein Buch und seine öffentlichen Äußerungen tragen dazu bei, das Bewusstsein für diese Herausforderungen zu schärfen und fordern einen respektvolleren Umgang in der politischen Debatte. Seine Anregungen, auch Raum für sensible Menschen in der Politik zu schaffen, bleiben ein wichtiger Teil seiner Botschaft.