
Österreichs Politik steht vor einem neuen Konflikt, da die Nominierung von Karl Nehammer als Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank (EIB) intern für Unmut sorgt. Dies berichtet oe24. Die Neos fühlen sich übergangen, da die ÖVP und SPÖ anscheinend heimlich eine Einigung über Nehammers Nominierung erzielt haben, ohne die liberalen Neos in die Gespräche einzubeziehen. Diese vermuten, dass die SPÖ im Austausch für die Nominierung etwas anderes erhalten hat.
Die Koalitionsparteien, bestehend aus der ÖVP, SPÖ und Neos, hatten zuvor vereinbart, keine „Sideletters“ für öffentliche Jobs zu erstellen. Das im Regierungsprogramm festgelegte Nominierungsrecht gilt jedoch nicht für Nehammers Job. Die Neos haben bereits deutlich gemacht, dass sie nicht für „Postenschacher“ in die Regierung gegangen sind. Währenddessen plant die FPÖ, die Nominierung von Nehammer zu verhindern, indem sie ihn als „Mister Budget-Defizit“ bezeichnet und einen Untersuchungsausschuss über das Budget-Defizit beantragen möchte. Nehammer soll seine neue Position im September antreten, mit einem Gehalt von 33.000 Euro pro Monat.
Regierungsverhandlungen und Herausforderungen
Der Hintergrund dieser Auseinandersetzung steht im Kontext gescheiterter Regierungsverhandlungen. Österreichs Bundeskanzler Karl Nehammer kündigte am Samstag seinen Rücktritt in den kommenden Tagen an, nachdem die Gespräche zur Bildung einer neuen Regierung erneut gescheitert waren, wie Independent berichtet. Diese Verhandlungen, die zwischen der Volkspartei und den Sozialdemokraten stattfanden, wurden fortgesetzt, nachdem die Neos überraschend aus dem Prozess ausgestiegen waren.
Nehammer hat in einer Mitteilung angekündigt, dass die Volkspartei nicht länger an einem Programm teilnehmen wird, das gegen die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit gerichtet sei. Unterdessen bedauerte der sozialdemokratische Parteivorsitzende Andreas Babler diese Entscheidung und betonte, dass die Beendigung der Verhandlungen nicht gut für das Land sei. Ein zentraler Streitpunkt ist das "Rekorddefizit", das die vorherige Regierung hinterlassen hat, und die EU-Kommission fordert Einsparungen zwischen 18 und 24 Milliarden Euro. Österreich kämpft mit einer Rezession, ansteigender Arbeitslosigkeit und einem Haushaltsdefizit von 3,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, was über der EU-Obergrenze von 3 Prozent liegt.
Die Rolle der FPÖ und das politische Klima
Die FPÖ, angeführt von Herbert Kickl, hat in den letzten Jahren an Popularität gewonnen und könnte eine entscheidende Rolle im politischen Klima spielen. Bei den letzten nationalen Wahlen konnte die FPÖ 29,2 Prozent der Stimmen gewinnen. Diese politische Situation hat dazu geführt, dass alle anderen Parteien sich weigern, mit Kickl und der FPÖ zusammenzuarbeiten, wie in Zeit geschildert. Die Neuen könnten die Einigung torpedieren, da es innerhalb ihrer Partei Widerstand gegen das Arbeitsprogramm gibt.
Die Neuregelungen der Ministerien sehen eine Aufteilung vor, bei der die ÖVP Sicherheits- und Wirtschaftsressorts erhält, während die SPÖ ein Superministerium für Arbeit, Soziales und Gesundheit verantwortet und die Neos für Außenpolitik und Bildung zuständig sind. Alle Maßnahmen stehen jedoch unter Budgetvorbehalt, da Österreich die Drei-Prozent-Grenze der EU im vergangenen Jahr überschritten hat.
Das politische Klima in Österreich ist derzeit angespannt, und die Unzufriedenheit mit der Regierung wächst, wobei nur 40 Prozent der Befragten glauben, dass das politische System gut funktioniert. Die nächsten Schritte der Regierung und die interne Reaktionen auf die Nominierung von Nehammer werden entscheidend dafür sein, wie sich die politische Landschaft in den kommenden Monaten entwickeln wird.
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