Am 27. November 2025 zeichnet sich ein tiefes Rissbild innerhalb der Sozialdemokratischen Partei Österreichs (SPÖ) ab. Max Lercher, der steirische SPÖ-Chef, äußerte in einem Interview mit der „Kleinen Zeitung“ scharfe Kritik an der Führung seiner Partei. Lercher forderte von Vizekanzler Andreas Babler eine klare Führung und wirksame Lösungen, was als indirekte Anspielung auf dessen angebliche Mangelfähigkeiten in der Parteiführung verstanden wird. Der Generalsekretär der FPÖ, Michael Schnedlitz, interpretiert dies als ein Zeichen für Bablers Führungs- und Lösungsschwäche und sieht die SPÖ durch interne Konflikte als nicht regierungsfähig an. Schnedlitz zeigte sich überrascht über die offene Kritik an Babler aus den eigenen Reihen und verknüpfte dies mit Bablers Selbstwahrnehmung, die er als Bürgermeister von New York in Bezug auf seine Eignung als Parteichef kritisch hinterfragt.
Die SPÖ selbst zeigt sich nach dem jüngsten Wahlfehler in einem Zustand gemischter Gefühle: Während Andreas Babler und sein Mitbewerber Hans Peter Doskozil die Sozialdemokratie an ihrem „Tiefpunkt“ sehen, wurden Lerchers empörte Äußerungen von der Parteibasis mit einer Mischung aus Fassungslosigkeit und Freude aufgenommen. Nach einem Fehler bei der Auszählung der Delegierten-Stimmen musste die Wahlkommission der SPÖ nach 48 Stunden eingestehen, dass Babler tatsächlich die meisten Stimmen erhalten hat, eine traurige Tatsache, die Doskozil und seine Vertrauten zur Anerkennung ihrer Niederlage zwingt. Die Reaktionen auf diesen Vorfall sind vielfältig: Während Wiens Bürgermeister Michael Ludwig Babler gratuliert und seine Unterstützung zusichert, kritisiert Ex-Kanzler Christian Kern den chaotischen Ablauf.
Interne Konflikte als Wahlkampfproblem
Experten sind sich einig, dass die internen Querelen in der SPÖ die größte Herausforderung im aktuellen Wahlkampf darstellen. So stuft der Politikberater Thomas Hofer die innerparteiliche Kritik an Babler als besonders schädlich ein. Meinungsforscher Wolfgang Bachmayer hebt hervor, dass solche Streitigkeiten nicht neu sind und bereits frühere Parteivorsitzende wie Christian Kern und Pamela Rendi-Wagner belasteten. Bablers Amtszeit begann unglücklich mit einer Panne bei der Datenverarbeitung, und die zerstrittenen Strukturen innerhalb der SPÖ scheinen sich negativ auf die Amtsgewalt auszuwirken.
Babler wird zwar für seine volksnahe Art geschätzt, jedoch könnte der anhaltende interne Druck seine Popularität in der Wählerschaft gefährden, besonders wenn die Umfragen die SPÖ hinter FPÖ und ÖVP zurückfallen sehen. Ein geleaktes Mail von Doris Bures, der Wiener SPÖ-Spitzenkandidatin, sorgt ebenfalls für Aufsehen und beleuchtet die Schwierigkeiten im internen Dialog der Partei. Für Hofer ist dies eine der größten Herausforderungen, da solche Schlagzeilen die Möglichkeit, gewissenhafte Themen zu setzen, stark einschränken.
Politischer Ausblick
Die SPÖ muss in den kommenden Wochen dringend auf die Uhr schauen. Wenn sie die internen Probleme nicht in den Griff bekommt, stehen die Chancen auf einen erfolgreichen Wahlkampf schlecht. Experten empfehlen, dass die Partei sich auf einen sogenannten „Außenfeind“ konzentriert, wie die Koalition zwischen FPÖ und ÖVP, um sich aus der Defensive zu befreien. Bablers Strategie, sich im ORF-„Sommergespräch“ zu sehr auf interne Themen zu fokussieren, könnte sich als falsch herausstellen.
Die Diskussion um die Lebensleistbarkeit, Arbeit und Steuerbelastung wird zunehmend drängender, während die SPÖ in der Migrationsfrage verwundbar bleibt. Dies könnte den Gegnern, insbesondere der FPÖ, in die Karten spielen und die Partei weiter unter Druck setzen.
Die bevorstehenden TV-Duelle bieten eine Möglichkeit für Babler, seine Position zu festigen, allerdings sieht Hofer nur wenig Raum für grundlegende Veränderungen, während der Wahlkampf bereits in vollem Gange ist. Die nächsten Schritte der SPÖ werden entscheidend sein, um ein weiteres Stück an verlorener Wählerschaft zurückzugewinnen.


