Der digitale Eltern-Kind-Pass, ein wichtiges Dokument zur Begleitung von Familien bis zum fünften Lebensjahr ihres Kindes, wird ab Oktober 2026 digitalisiert verfügbar sein. Diese Entscheidung hat im Parlament zu kontroversen Diskussionen geführt, insbesondere bezüglich der Geschlechtskategorien im Pass. Im Dezember-Plenum des Nationalrats gab es Auseinandersetzungen über die Auswahl von Geschlechtern, die bislang sechs Optionen umfasste: „weiblich“, „männlich“, „offen“, „inter“, „divers“ und „keine Angabe“. Die FPÖ äußerte große Bedenken und kritisierte das Konzept, wobei Familiensprecherin Ricarda Berger die Ansicht vertrat, dass es in der Biologie nur zwei Geschlechter gebe. Sie bezeichnete die Vielzahl an Geschlechtskategorien als Ignoranz gegenüber der biologischen Realität, was von der FPÖ als ideologisiert abgelehnt wird.
Das Gesundheitsministerium hat jedoch die Empfehlung von Ärztinnen und Ärzten angenommen, die lediglich drei Geschlechtskategorien im digitalen Pass vorschlagen: männlich, weiblich und offen. Diese Entscheidung wurde auf Grundlage eines Erkenntnisses des Verfassungsgerichtshofs getroffen, nicht als bloße Anordnung des Ministeriums. Die Kategorie „divers“ wurde dabei als Selbstzuschreibung betrachtet, die von den Betroffenen selbst gewählt werden kann. Bei der Geburt eines Kindes, wenn das Geschlecht nicht eindeutig festgestellt werden kann, wird ein Kontrolltermin einige Wochen später angeboten, um das Geschlecht erneut zu überprüfen. [oe24] berichtet, dass diese Anpassungen vorgenommen werden, um die medizinische Versorgung für nicht eindeutig zuordenbare Geschlechter zu verbessern.
Digitale Umsetzung und kritische Stimmen
Mit der Digitalisierung des Eltern-Kind-Passes, der frühere Mutter-Kind-Pass hieß, beabsichtigt die Regierung, auf die Digitalaffinität junger Eltern zu reagieren. Die digitale Version soll vor allem den Zugang zu Informationen erleichtern und die nötigen medizinischen Untersuchungen für Schwangere, Babys und Kleinkinder dokumentieren. Dennoch gibt es Stimmen, die befürchten, dass durch die Digitalisierung und die damit einhergehende Erhöhung der Bürokratie der Eltern-Kind-Pass zunehmend als Datenerhebungsinstrument fungieren könnte, anstatt als medizinisches Dokument. [heute] hebt hervor, dass junge Ärzte bereits über Ausstiegsüberlegungen nachdenken aufgrund des erhöhten Verwaltungsaufwands und der damit verbundenen zusätzlichen Dokumentationspflichten.
Zusätzlich zu den Änderungen bei den Geschlechterkategorien werden auch mehr als 100 neue Fragen im Rahmen des Untersuchungsprogramms aufgenommen. Diese Anforderungen könnten die internen Abläufe in den Arztpraxen belasten und schwierige Fragen zur Vereinbarkeit mit der erforderlichen Gesprächszeit für Patientenergebnisse aufwerfen. Einige Ärzte äußern daher Bedenken, ob die gesteckten Ziele von Inklusion und qualitativ guter Betreuung tatsächlich erreicht werden können, oder ob der Eltern-Kind-Pass mehr und mehr zu einem bürokratischen Werkzeug mutiert. [1a-aerztevermittlung] diskutiert diese Problematiken und fragt, wie viel der neue Pass tatsächlich zu einer zeitgemäßen und inklusiven Dokumentation beitragen kann.