Der ehemalige Präsident Südkoreas, Yoon Suk Yeol, hat am 24. Februar 2026 Berufung gegen sein Urteil über lebenslange Haft eingelegt. Das zentrale Bezirksgericht in Seoul hatte ihn nur wenige Tage zuvor, am 19. Februar 2026, wegen Anführung eines Aufstands schuldig gesprochen. Die Verurteilung resultiert aus seiner umstrittenen Entscheidung, im Dezember 2024 das Kriegsrecht auszurufen, um angebliche staatsfeindliche Aktivitäten einzudämmen. Kritiker sehen in diesen Maßnahmen einen Versuchs, die demokratische Verfassung des Landes zu untergraben, was zur Eröffnung eines komplexen rechtlichen Verfahrens gegen Yoon führte. Kleine Zeitung berichtet, dass Yoon über seine Anwälte rechtliche Fehler in der ersten Instanz anführt und die Anklage als überzogen bezeichnet.

Yoon, der am 3. Dezember 2024 überraschend das Kriegsrecht ausrief, ließ bewaffnete Soldaten zur Abriegelung der Nationalversammlung entsenden, was jedoch wegen des Widerstands der Parlamentarier schnell zurückgenommen wurde. Seine Verteidigung bestreitet die Vorwürfe, und Yoon argumentiert, dass die Ausrufung des Kriegsrechts innerhalb seiner Befugnisse als Präsident lag. In seiner Fernsehansprache, in der er die Maßnahme rechtfertigte, legte er jedoch keine Beweise für seine Behauptungen vor. Tagesschau ergänzt, dass die Staatsanwaltschaft ursprünglich die Todesstrafe gefordert hatte, jedoch in Südkorea ein inoffizielles Moratorium auf die Todesstrafe besteht. Angesichts der Schwere der Anklage will Yoon die Entscheidung des Gerichts anfechten.

Politische und gesellschaftliche Folgen

Die Ausrufung des Kriegsrechts führte zu einer monatelangen Staatskrise, die durch einen Haushaltsstreit zwischen Yoons Regierungspartei und der Oppositionspartei ausgelöst wurde. Yoon wurde schließlich seines Amtes enthoben und in einem Amtsenthebungsverfahren, das von 204 der 300 Abgeordneten unterstützt wurde, strafrechtlich verfolgt. Das Verfassungsgericht bestätigte im April 2025, dass für die Verhängung des Kriegsrechts keine nationale Krise vorlag. bpb hebt hervor, dass die politische Unsicherheit, die aus diesem Vorfall resultiert, negative Auswirkungen auf die Wirtschaft des Landes hat.

Im Rahmen des Prozesses wurden auch andere Regierungsmitglieder verurteilt, darunter der ehemalige Verteidigungsminister Kim Yong-hyun zu 30 Jahren Haft und der Ex-Ministerpräsident Han Duck Soo zu 23 Jahren. Yoons Verurteilung und die damit verbundenen Maßnahmen haben sowohl massive Proteste von Gegnern als auch von Anhängern Yoons ausgelöst. Zudem hat der damalige Oppositionsführer Lee Jae Myung, der 2022 knapp gegen Yoon verlor, nun zum Präsidenten von Südkorea gewonnen.

Die politische Landschaft des Landes wird durch diese Entwicklungen nachhaltig beeinflusst. Yoons Berufung könnte nicht nur den Ausgang seiner eigenen Rechtsstreitigkeiten bestimmen, sondern auch die Richtung der südkoreanischen Politik in den kommenden Jahren prägen.