Influencerin und Neurowissenschaftlerin Sophie Imhof hat scharfe Kritik am Infotainmentsender „Der Standard“ geübt. Der Anlass ist ein Artikel, der die Ergebnisse einer Meta-Analyse mit der provokanten Überschrift „Sport wirkt besser als Antidepressiva“ zusammenfasst. Laut exxpress.at argumentiert Imhof, dass diese Darstellung die wissenschaftliche Datenlage verzerrt und somit den Patienten schadet. Die zugrundeliegende Studie, eine Meta-Meta-Analyse, hat zahlreiche Meta-Analysen systematisch zusammengefasst und wertet die Qualität sowie Aussagekraft bestehender Forschung sorgfältig aus.
Ein zentrales Ergebnis dieser umfangreichen Untersuchung zeigt, dass Sport einen signifikant positiven Effekt bei klinisch diagnostizierten Depressionen oder postnatalen Depressionen hat. Es gibt kleinere Studien, die ähnliche Ergebnisse für Sport und medikamentöse Therapien nahelegen, jedoch fehlt eine klare und robuste Gegenüberstellung, die die Überlegenheit von Bewegung belegt. Imhof betont, dass die derzeitige Datenlage nicht die Zuspitzung unterstützt, die der Artikel propagiert. Derartige Berichterstattung könnte Betroffene verunsichern und das Gefühl vermitteln, ihre Therapie sei weniger wirksam.
Die Rolle der körperlichen Aktivität bei Depressionen
Die Evidenz bezüglich der Wirksamkeit körperlicher Aktivität in der Behandlung depressiver Erkrankungen ist wissenschaftlich gut untermauert. Ein Artikel auf pmc.ncbi.nlm.nih.gov hebt hervor, dass regelmäßige körperliche Aktivität nicht nur das Risiko einer Depression signifikant senkt, sondern auch positive Effekte auf die Lebensqualität, Schlafqualität und die kardiorespiratorische Fitness hat. Studien zeigen, dass das Odds-Ratio für regelmäßig aktive Menschen im Vergleich zu inaktiven bei etwa OR = 0,5 liegt, was eine deutliche Risikominderung belegt.
Körperliche Aktivität kann sowohl als eigenständige Intervention als auch in Kombination mit anderen Therapien eingesetzt werden. Derzeit wird empfohlen, das Aktivitätslevel schrittweise zu erhöhen, bis die Vorgaben der Weltgesundheitsorganisation erreicht werden. Dies ist besonders wichtig für Patienten, die bisher eine geringe körperliche Aktivität aufweisen.
Meta-Analysen und deren Aussagekraft
Zusätzlich wurde in der Zeitschrift Sportmedizin eine Übersicht über 55 Meta-Analysen veröffentlicht, die die Effekte von körperlicher Aktivität auf depressive Symptome untersuchen. Diese Analysen belegen moderate Effekte von aerobem Ausdauer- und Krafttraining. Besonders hervorzuheben ist, dass die Ergebnisse bei hochqualitativen Studien ähnlichen Effektive wie die von Psychotherapie oder Antidepressiva aufzeigen.
Die vielfältigen positiven Wirkungen von Sport und Bewegung auf die mentale Gesundheit werden durch die Ergebnisse der Studien unterstrichen. Dies betrifft auch Risikopopulationen wie Menschen mit chronischen Erkrankungen oder Depressionen. Trotz der starken Evidenz gibt es einen akuten Bedarf an weiteren Forschungen, um die optimalen Dosierungen und die Dauer von Sportinterventionen zu klären. Eine nachhaltige Förderung körperlicher Aktivität sollte in der psychiatrischen Praxis daher ein zentraler Bestandteil werden.