Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) äußert scharfe Kritik an den US-Strafzöllen, die unter der Administration von Donald Trump eingeführt wurden. In einer aktuellen Stellungnahme bezeichnet er einen Zollkrieg als schädlich für alle Beteiligten. Er hebt hervor, dass der Zugang zu offenen Märkten, faire Wettbewerbsbedingungen und Planbarkeit entscheidend für Wachstum und Beschäftigung sind. Besonders beunruhigend ist der Rückgang der österreichischen Exporte in die USA, die mit 6,8% die zweitwichtigste Exportdestination Österreichs darstellen. Im Zeitraum von Jänner bis November 2025 wurden Waren im Wert von 11,85 Milliarden Euro in die USA exportiert, was einem Rückgang von 21,4% im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Dies wird teilweise auf die neuen US-Zollmaßnahmen zurückgeführt.
Hattmannsdorfer warnt davor, dass Zölle und Handelsbarrieren Investitionen verteuern, die Lieferketten schwächen und die Konsumenten belasten. Er fordert einen fairenMarktzugang, mehr Planbarkeit und eine regelbasierte internationale Handelsordnung. Diese Einschätzungen decken sich mit den Ergebnissen des Münchner ifo-Instituts, das ebenfalls massive wirtschaftliche Einbußen durch die US-Zollpolitik festgestellt hat. Laut Lisandra Flach, Leiterin des ifo-Zentrums für Außenwirtschaft, stellen die US-Zölle einen negativen Schock für die europäische Wirtschaft dar.
Auswirkungen auf die europäische Wirtschaft
Die US-Zollpolitik hat nicht nur Österreichs Wirtschaft, sondern auch die deutsche erheblich betroffen. Exporte nach den USA sind im Jahr 2024 auf rund 161 Milliarden Euro gesunken. Im November 2025 lagen sie fast ein Viertel unter dem Vorjahresniveau. Für das Jahr 2025 wird ein Rückgang des deutschen Wirtschaftswachstums um 0,3 Prozentpunkte und für 2026 um 0,6 Prozentpunkte prognostiziert. Die Schätzung der Fachleute deutet darauf hin, dass eine mittelfristige Abnahme der Exporte in die USA um 15 Prozent zu erwarten ist, wobei 60 Prozent dieser Exporte auf Autos, Maschinen und Pharma entfallen.
Der allgemeine Importzoll der USA auf Produkte der EU beträgt derzeit 15 Prozent, während für Stahlprodukte sogar 50 Prozent anfallen. In Anbetracht dieser Situation haben Fachleute die EU dazu aufgefordert, neue Handelsabkommen mit anderen Ländern abzuschließen, um die negativen Auswirkungen der aktuellen Zollpolitik zu mildern. Ein wichtiges Abkommen zwischen der EU und Mercosur-Staaten wird als erstrebenswert und als erster Schritt in diese Richtung angesehen. Eine Studie belegt, dass neue Freihandelsabkommen mit sieben bedeutenden Handelspartnern die negativen Effekte der US-Zollpolitik aufhalten und Exportwachstum von bis zu 4,1 Prozent ermöglichen könnten.
Historischer Kontext der Handelskriege
Die gegenwärtigen Handelskonflikte sind Teil einer langen Geschichte, die auf die Vorzüge und Herausforderungen des Welthandels zurückblickt. Historisch betrachtet hat der internationale Handel oft regionale Gewichtungen verschoben und politisch bedeutende Konsequenzen gehabt. Handelskonflikte entstanden häufig, als Staaten in wirtschaftliche Auseinandersetzungen eingreifen und sich gegenseitig mit Handelskriegen überziehen. Ein Beispiel dafür ist die militärische Revolution der Frühen Neuzeit, die den Aufwand für Kriegsführung erhöhte und die Rivalitäten verstärkte.
Beispiele aus der Vergangenheit zeigen, dass Wirtschafts- und Handelskriege selten dauerhafte Erfolge bringen. Die Blockade während Napoleons Zeit oder die britische Blockade im Ersten Weltkrieg führten zu verheerenden Konsequenzen. Friedliche Wirtschaftsbeziehungen entstehen häufig nach solchen Konflikten und nicht durch Sanktionen. Die etablierte Pax Americana nach dem Zweiten Weltkrieg, die die USA mit dem Dollar als Leitwährung geschaffen haben, steht nun vor Herausforderungen, da neue wirtschaftliche Gewichtsverschiebungen und eine unklare Ordnung zu einem Rückfall in Handelskriege führen könnten, ohne dass ein klarer Sieger hervorgeht.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die gegenwärtigen Entwicklungen weitreichende Auswirkungen auf die Wirtschaft in Europa und weltweit haben. Während Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer und andere europäische Führungspersönlichkeiten nach Lösungen suchen, bleibt die internationale Handelslandschaft volatil und von Unsicherheiten geprägt. Für die Zukunft ist es unerlässlich, dass Staaten auf Selbstmodernisierung setzen, um im internationalen Handel bestehen zu können.
Artikel von Krone
Informationen von Tagesschau
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