Am 28. Jänner 2026 fand im Restaurant Görg in Katzelsdorf eine Pressekonferenz statt, in der Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und Wolfgang Ecker, Präsident der Wirtschaftskammer Niederösterreich, die Bedeutung der Unternehmensnachfolge für den Wirtschaftsstandort Niederösterreich besprachen. Der demografische Wandel hat weitreichende Auswirkungen auf die lokale Wirtschaft, da zahlreiche Unternehmen nach geeigneten Nachfolgern suchen. Laut noe.gv.at stehen in den kommenden Jahren über 8.400 Klein- und Mittelunternehmen (KMU) vor einem Generationenwechsel, was rund 107.000 Arbeitsplätze betrifft.

Mehr als 60 % der Nachfolger berichten, dass sie nach der Übernahme den Umsatz steigern und neue Arbeitsplätze schaffen konnten. Ein Beispiel für eine erfolgreiche Unternehmensnachfolge ist das Restaurant Görg, das 1968 gegründet wurde und 2024 von den Brüdern Stefan und Martin Görg übernommen wurde. Die anwesenden Unternehmer erklärten, wie sie ihren behutsamen Übergabeprozess gestaltet haben und welche Modernisierungen sie vornehmen, um das kulinarische Erbe ihrer Eltern fortzuführen.

Herausforderungen und Unterstützung

Die Herausforderungen, die sich sowohl für Übergeber als auch für Nachfolger ergeben, sind vielfach. Schwierigkeiten bei der Suche nach geeigneten Nachfolgern, sowie die steuerliche Belastung und rechtliche Aspekte stehen dabei im Vordergrund. Die bmwet.gv.at informiert über die Hintergründe: 68 % der Unternehmensübergaben werden durch das Erreichen des pensionsfähigen Alters eingeleitet. Knapp die Hälfte der Übergeber nimmt externe Beratungen in Anspruch, um den Übergabeprozess besser zu steuern.

Die Unterstützung durch das Land, die Wirtschaftskammer und auch Banken, wie die NÖ Bürgschaften und Beteiligungen GmbH (NÖBEG), spielt eine entscheidende Rolle. Zwischen 2001 und 2024 hat NÖBEG insgesamt 324 Unternehmensübernahmen mitfinanziert, wobei ein Drittel dieser Übernahmen in den letzten fünf Jahren stattfand. Zudem bietet die Wirtschaftskammer Niederösterreich jährlich etwa 400 Beratungen an und listet über 1.000 Inserate in ihrer Online-Nachfolgebörse.

Trends in der Unternehmensnachfolge

Eine Studie der KMU Forschung Austria bestätigt den Bedarf an Nachfolgen: In den nächsten fünf Jahren planen 25.000 Unternehmen in Österreich eine Übergabe, wobei mehr als 321.000 Arbeitsplätze davon betroffen sind. Der Trend zeigt, dass rund 55 % der Übernahmen innerhalb der Familie stattfinden, während 45 % externe Übergaben erfolgen. In den letzten Jahren ist zudem ein Anstieg bei den externen Unternehmensübergaben zu verzeichnen, vor allem bei jüngeren Unternehmen.

Im Blick auf die Branchen zeigt sich, dass insbesondere im Baugewerbe (30 %), im verarbeitenden Gewerbe (22,1 %) und im Dienstleistungssektor (22,5 %) ein hoher Handlungsbedarf hinsichtlich Unternehmensübergaben zu erkennen ist. Hingegen geben 39,5 % der Handelsunternehmen an, dass keine Übergabe erforderlich sei. Diese unterschiedlichen Einschätzungen verdeutlichen, dass die Unternehmensnachfolge ein vielschichtiges und individuell angepasstes Thema ist.

Insgesamt ist die Unternehmensnachfolge ein zentrales Thema für die Wirtschaft, das nicht nur die betroffenen Betriebe, sondern auch die gesamte Ökonomie beeinflusst. Eine rechtzeitige Planung und die Inanspruchnahme entsprechender Unterstützungsangebote sind entscheidend, um den Übergang erfolgreich zu gestalten und die wirtschaftliche Stabilität in der Region zu sichern. Der Einsatz von Unterstützung durch Institutionen und Netzwerke, wie sie von der Wirtschaftskammer und der NÖBEG angeboten werden, kann entscheidend zum Gelingen der Nachfolgeprozesse beitragen.