Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Österreich zeigen erste Erholungstendenzen, bleiben jedoch anfällig für verschiedene externe und interne Herausforderungen. Bei der Jahrespressekonferenz der Deutschen Handelskammer in Österreich (DHK) sprach Thomas Gindele, Hauptgeschäftsführer der DHK, über die Notwendigkeit, den Binnenmarkt zu stärken, um ein starkes Europa zu fördern. Trotz eines Anstiegs des Handelsvolumens um 4,1 % im Jahr 2025 auf rund 134,1 Milliarden Euro, betonten Experten die Dringlichkeit schneller Reformen und eine Senkung der Energiekosten.
Der bilaterale Handel ist von großer Bedeutung, wobei Deutschland der wichtigste Handelspartner für Österreich bleibt, während Österreich der siebtwichtigste Absatzmarkt für Deutschland ist. Im Jahr 2025 exportierte Deutschland Waren im Wert von knapp 80 Milliarden Euro nach Österreich, während die Exporte aus Österreich bei etwa 54,1 Milliarden Euro lagen.
Wirtschaftliche Herausforderungen
Experten wie Gabriel Felbermayr, Direktor des WIFO, analysierten die wirtschaftliche Lage und stellten fest, dass Deutschland sich seit 2019 in einer Phase der Stagnation befindet – bereits das siebte Jahr in Folge. Österreich hat eine ähnliche, wenn auch leicht bessere wirtschaftliche Situation. Die Probleme der Wirtschaft sind nicht ausschließlich auf globale Rahmenbedingungen zurückzuführen. Felbermayr betont, dass die Schwierigkeiten in den eigenen Standortbedingungen der Eurozone verwurzelt sind.
Die hohen Energiepreise und aktualisierte Marktmechanismen wie das Merit-Order-System erfordern dringend Reformen. Auch der Vertrauensverlust der Konsumenten in beiden Ländern, der zu steigenden Sparquoten führt, macht die Situation prekär. Die Analyse zeigt, dass Österreich bis 2026 ein Wirtschaftswachstum von nur 0,9 Prozent und im pessimistischen Szenario lediglich 0,2 Prozent erleben könnte. Deutschland wird im Basisszenario ein Wachstum von 0,6 Prozent prognostiziert.
Notwendigkeit von Reformen
Hans Dieter Pötsch, Präsident der DHK, hakte ein, indem er die Verlangsamung der Genehmigungsprozesse und die Notwendigkeit von Investitionen und Reformen im Bildungssystem anprangerte. Peter Adrian, Präsident der DIHK, mahnt eine steuerliche Entlastung und Bürokratieabbau an, um den Standort Deutschland für Unternehmen attraktiver zu machen. Die Energiepreise in Europa sind im internationalen Vergleich weiterhin sehr hoch, was zusätzlicher Handlungsbedarf für Investitionen signalisieren sollte.
Die wirtschaftliche Lage in Deutschland und Österreich wird zudem durch geopolitische Risiken belastet. Während die Weltwirtschaft dynamisch wächst, erfordern die stagnierenden Trendlinien in beiden Ländern eine zügige Umsetzung der bereits festgelegten Maßnahmen zur Verbesserung der Standortattraktivität. Gindele zeigte sich optimistisch und betonte, dass trotz dieser Herausforderungen Investitionen weiterhin möglich sind.
Die Diskussion rund um die wirtschaftlichen Entwicklungen in Deutschland und Österreich verdeutlicht, dass der Binnenmarkt das zentrale Element der bilateralen Zusammenarbeit sein muss. Um diesen optimal zu fördern, sind mehr Marktöffnung und entschlossene politische Reformen nötig. Der Weg zu einem stärkeren Wachstum wird nicht einfach sein, aber er ist notwendig.
Weitere Informationen sind auf den Webseiten des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Leadersnet und Industriemagazin erhältlich.