Im Vorjahr hat Wien zwar die Grenzwerte für Luftschadstoffe eingehalten, doch die Luftqualität blieb aus gesundheitlicher Sicht unzureichend. Das zeigt eine Analyse des Verkehrsclub Österreich (VCÖ) auf Basis vorläufiger Daten des Umweltbundesamts. Die Ergebnisse zeigen, dass die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in vielen Fällen überschritten wurden. Besondere Aufmerksamkeit erregt die höchste Stickstoffdioxid (NO2)-Belastung am Hietzinger Kai mit einem Jahresmittelwert von 25,2 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft.

Im Vergleich dazu lagen die Werte an der Wehlistraße und Taborstraße ebenfalls über dem künftigen EU-Grenzwert von 20 Mikrogramm, der ab 2030 gelten wird. Alarmierend ist, dass drei von 17 Messstellen in Wien diesen Grenzwert bereits überschritten haben. Gleichzeitig zeigt die Analyse, dass an zehn weiteren Messstellen die NO2-Richtwerte der WHO überschritten wurden. Eine solche Situation birgt erhebliche Gesundheitsrisiken, wie der Umweltmediziner Hans-Peter Hutter warnt.

Messstationen und ihre Werte

  • Belgradplatz: 19 µg/m³
  • Floridsdorf: 17,6 µg/m³
  • Gaudenzdorf: 17,6 µg/m³
  • Stadlau: 16,6 µg/m³
  • Kaiser-Ebersdorf: 16,3 µg/m³
  • AKH: 15,8 µg/m³
  • Stephansplatz: 15,4 µg/m³
  • Kendlerstraße: 15,1 µg/m³
  • Liesing: 13,6 µg/m³
  • Hohe Warte: 11,9 µg/m³

Zusätzlich wurden die PM2,5-Feinstaubwerte an den Messstellen Taborstraße, Wehlistraße und Stadlau ebenfalls über dem künftigen EU-Grenzwert von 10 Mikrogramm verzeichnet. Alle 12 Messstellen überschritten zudem den von der WHO empfohlenen Richtwert von 5 Mikrogramm. Besonders bedenklich ist, dass auch neun weitere Messstellen die PM2,5-Richtwerte der WHO überschritten haben.

Gesundheitliche Risiken und politische Verantwortung

Der VCÖ hebt hervor, dass der Verkehr einen entscheidenden Hebel zur Reduzierung der Luftverschmutzung darstellt. Diesel-Pkw und andere Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor emittieren deutlich mehr Stickoxide als ihre Benzin-Pendants. So stoßen Diesel-Pkw im Schnitt siebenmal so viele Stickoxide aus wie Benziner; Klein-Lkw sogar achtmal so viele und Lkw über 3,5 Tonnen elfmal so viele. Diese Fakten führen zu einer kritischen Auseinandersetzung mit der Politikin, Insbesondere wird die Abschaffung der Normverbrauchsabgabe für Klein-Lkw mit Verbrennungsmotor im Vorjahr stark kritisiert.

Vor diesem Hintergrund wird eine schnellere Anpassung des Immissionsschutzgesetzes-Luft an die künftigen EU-Werte gefordert. Die WHO hat in ihren aktualisierten globalen Leitlinien für das Luftgütemanagement Empfehlungen formuliert, die auf die Notwendigkeit hinweisen, gesundheitliche Risiken durch Luftverschmutzung zu mindern. Diese Richtlinien sind evidenzbasiert, jedoch rechtlich nicht bindend, sie sollen den Mitgliedstaaten als Instrument zur Verbesserung der Luftqualität dienen.

In Europa basieren die verschiedenen Luftqualitätswerte auf Richtlinien, die von der EU erstellt wurden. Künftige Überarbeitungen dieser Richtlinien sind für den Herbst 2024 geplant, um die Luftqualität in den Mitgliedstaaten weiter zu verbessern, wie das Umweltbundesamt erläutert. Die Gesundheit der Bevölkerung und die technische Machbarkeit spielen dabei eine entscheidende Rolle.

Die aktuellen Messergebnisse und die damit verbundenen gesundheitlichen Risiken stellen einen klaren Handlungsbedarf dar. Um die empfohlenen Luftschadstoffwerte einzuhalten und gesundheitliche Belastungen durch Luftverschmutzung zu verringern, sind sowohl politische als auch gesellschaftliche Maßnahmen unerlässlich.

Für weitere Informationen zu Luftqualität und ihren Auswirkungen verweisen wir auf die Berichte des Österreichischen Nachrichten, die WHO und das Umweltbundesamt.