Am 23. Jänner 2026 veröffentlichte das Kuratorium für Theater, Tanz und Performance in Wien Empfehlungen für die Förderperioden 2027–2030. Diese Empfehlungen wurden in Zusammenarbeit mit der Konzeptjury erarbeitet, die im Jahr 2025 zusammentrat und 35 Einreichungen bewertete. Insgesamt erhielten 17 Projekte eine Förderzusage, was einer Quote von 49% entspricht. Dies ist besonders bedeutsam, da die Förderungen der Stadt Wien eine wichtige Grundlage für die Freie Szene darstellen, die sich aus aufstrebenden und etablierten Gruppen zusammensetzt, die in den letzten fünf Jahren gefördert wurden. Das Gesamtvolumen der Fördermittel beträgt 3.320.000 EUR, allerdings ist die Antragslage nicht direkt vergleichbar mit vorherigen Jahren, da viele Theaterhäuser nun in das Förderprogramm für Institutionen integriert wurden.

Neu in der Konzeptförderung sind die Gruppen DARUM und Nesterval sowie der Verein KreativKultur, der sich dem zeitgenössischen Zirkus widmet. Bei der Auswahl der Projekte berücksichtigte die Jury wichtige Kriterien wie Barrierefreiheit, Inklusion und nachhaltige Praktiken in der Kunst. Ein neues Modell für die Antragstellung ermöglicht eine automatische Weiterleitung an das Kuratorium, um den Prozess zu optimieren.

Förderempfehlungen im Detail

Die Empfehlungen der Konzeptjury wurden über verschiedene Sparten verteilt. In der Kategorie „Junges Publikum“ wurden die Gruppen makemake produktionen und schallundrauch agency ausgewählt. Für Tanz und Choreografie erhielten Im_flieger, insert Tanz und Performance GmbH, MAD und der Verein Fortuna Empfehlungen. Im Bereich Performance sind DARUM, God’s Entertainment GmbH, More Spirit Please GmbH und der Verein zur Förderung der Bewegungsfreiheit hervorgehoben worden. Der Verein KreativKultur erhält Unterstützung für das ON THE EDGE Festival, während Aktionstheater Wien, Nesterval, Theaterverein Toxic Dreams und Wiener Wortstätten in der Sparte Schauspiel- und Sprechtheater gefördert werden. Ebenso wurde das Musiktheater mit den Musiktheatertagen Wien und dem sirene Operntheater berücksichtigt.

Die Mitglieder der Konzeptjury setzen sich aus Fachleuten zusammen, darunter Kathrin Bieligk, Flori Gugger, Lisa Kerlin, Alex. Riener und Christa Spatt. Das Kuratorium wird von Sandra Umathum, Melika Ramić und Johanna Figl geleitet, wobei Martin Thomas Pesl als neuestes Mitglied hinzukam. Die Förderungen sind eine direkte Unterstützung für die Freie Szene in Wien, die eine dynamische und vielfältige Theaterlandschaft prägt.

Kulturförderung in Deutschland

Der Fokus auf die Freie Szene ist nicht nur in Österreich zentral, sondern auch in Deutschland spielt die Kunst- und Kulturförderung eine bedeutende Rolle. Nordrhein-Westfalen zählt zu den wichtigen Produktionsstandorten für freischaffende Künstlerinnen, Künstler und Ensembles. Seit 2018 hat die Landesregierung die Unterstützung freier Produktionsstätten und Ensembles mit zusätzlichen 4,5 Millionen Euro pro Jahr gesteigert. Diese Maßnahmen erleichtern es rund 50 geförderten Gruppen und Einzelkünstlern, ihre Projekte erfolgreich umzusetzen.

Auf bundesweiter Ebene zeigt der kulturpolitische Kontext ein gemischtes Bild. Der Bundeshaushalt für 2026 umfasst einen Rekordetat von 2,57 Milliarden Euro im Kulturbereich. Doch der Fonds Darstellende Künste, der seit über 30 Jahren aktiv ist, sieht sich mit sinkenden Fördermitteln konfrontiert. Während 2024 noch 22 Millionen Euro zur Verfügung standen, müssen die Mittel 2026 auf 8,5 Millionen Euro gesenkt werden. Geschäftsführer Holger Bergmann warnt davor, dass dadurch die kulturelle Freiheit und Innovationskraft gefährdet werden könnte.

Um die jungen Menschen in der Freien Szene weiter zu fördern, werden Workshops zur diskriminierungssensiblen Projektgestaltung angeboten. Geplant sind unter anderem zwei Workshops am 27. Jänner 2026 für Kinder und Jugendliche aus Risikolagen sowie am 10. Februar 2026 zur diskriminierungssensiblen Antragstellung. Ein weiterer Termin am 2. März 2026 wird sich mit der Sensibilisierung für queere Lebensrealitäten beschäftigen.

Die verschiedenen Fördermaßnahmen und Programme zeigen, dass eine lebendige und vielfältige Kulturszene in der Freien Darstellenden Kunst nicht nur gefordert, sondern auch unterstützt wird, um Herausforderungen zu meistern und Raum für kreative Entfaltung zu bieten.

Weitere Informationen finden Sie unter:
Wien.gv.at,
MKW.NRW,
Fonds Darstellende Künste.