Ruth Wodak, die renommierte Sprachwissenschaftlerin und Wittgenstein-Preisträgerin, lebt nach ihrer Emeritierung an der Universität Lancaster nun wieder in Wien. In einem aktuellen Interview äußert sie ihre Besorgnis über die politischen Veränderungen im Post-Brexit-England sowie die Diskursverschiebungen in den Vereinigten Staaten, die vor allem durch Donald Trump und die europäische Rechte geprägt sind. Wodak warnt vor der Bedrohung durch die sogenannte „Retrotopie“, die eine überholte, idealisierte Sicht auf die Vergangenheit propagiert, und fordert Alternativen zu dieser rückwärtsgewandten Haltung.
Die Linguistin hat Trumps Rhetorik während seiner ersten Amtszeit genau analysiert und zeigt sich überrascht von der Brutalität und den Beleidigungen, die Teil seiner Kommunikation sind. Wodak betont, dass Trump ernst genommen werden muss, da er viele Menschen anspricht, die ihn als „einen von uns“ empfinden. Seine Rhetorik ist nicht nur emotional aufgeladen, sondern auch strategisch konzipiert, um eine Abgrenzung zur Elite zu schaffen und das Gefühl einer Bewegung zu vermitteln, wie Matthias Eitelmann in seiner Analyse von Trumps Sprache herausstellt.
Trumps Rhetorik und ihre Auswirkungen
Wodak konkretisiert, dass die Form eines Diskurses eng mit seinem Inhalt verbunden ist. Trumps Provokationen und Lügen erscheinen nicht zufällig, sondern dienen einem übergeordneten Ziel. Sie kritisiert insbesondere das „2025 Presidential Transition Project“, das möglicherweise tiefgreifende Auswirkungen auf die politische Landschaft haben könnte. Auch die Darstellung der neuen „Nationalen Sicherheitsstrategie“ der USA sieht Wodak als Kampfansage gegen Europa, was die bereits bestehende Kluft zwischen den Kontinenten weiter vertiefen könnte.
Wodak berichtet von den Ängsten, die sie während eines Besuchs in den USA im März 2023 beobachten konnte. Diese Sorgen reflektieren einen breiten gesellschaftlichen Unmut und das Gefühl des Kontrollverlusts. In diesem Kontext warnt sie vor der schleichenden Verbreitung von Antisemitismus und dem Wiederaufleben des „Judeus ex machina-Phänomens“, das Menschheitsgeschichte stets begleitet hat.
Populismus und die Bundestagswahl 2025
Ein weiterer Aspekt, den Wodak anspricht, ist die zunehmende Bedeutung des Populismus in Wahlkämpfen. Angesichts der Bundestagswahl 2025 zeigt sich, dass der populistische Diskurs die politische Landschaft entscheidend prägt. Professor Dr. Nils-Christian Bormann von der Universität Witten/Herdecke hebt hervor, dass Populismus gesellschaftliche Spaltungen vertieft, indem er zwischen „dem Volk“ und „den Eliten“ unterscheidet. Populisten nutzen einfache Lösungen für komplexe Probleme und stellen politische Gegner als korrupt dar.
Die Strategie, das frühere „goldene Zeitalter“ zu beschwören, um eine bessere, weniger komplexe Vergangenheit darzustellen, ist ein weiteres Merkmal populistischer Rhetorik. Damit verbunden sind oft migrationsfeindliche und nationalistische Äußerungen, die den Nerv nationalistischer Wählerschaften treffen und diese mobilisieren. Dies könnte signifikante Auswirkungen auf den Verlauf der Bundestagswahl 2025 haben.
Abschließend betont Wodak die Notwendigkeit, positive, faktenbasierte Alternativen zu entwickeln, um die Grundwerte und Menschenrechte der EU zu verteidigen. Dies ist essenziell, um den Herausforderungen der gegenwärtigen Diskursverschiebung und dem Aufkommen populistischer Bewegungen wirksam entgegenzutreten.
Dolomitenstadt berichtet über Wodaks kritische Perspektiven, während Tagesspiegel die Veränderungen in Trumps Rhetorik beleuchtet. Für weitere Einblicke in die Rolle des Populismus im aktuellen politischen Klima verweisen wir auf die Analysen von Uni Witten/Herdecke.