Am dritten Prozesstag im Wienwert-Prozess, der am 26. Januar 2026 stattfand, traten die Angeklagten vor Gericht und wiesen größtenteils die Vorwürfe der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) zurück. Diese ermittelt seit 2017 in der Causa rund um die in die Insolvenz geratene Immobiliengruppe Wienwert, die bei über 1.800 Anlegern für einen geschätzten Gesamtschaden von rund 41 Millionen Euro verantwortlich sein soll. Der ehemalige Wienwert-Chef, Stefan Gruze, ist zur Zeit erkrankt, während noch neun weitere Angeklagte, darunter Klemens Hallmann, zur Verantwortung gezogen werden.
Das Verfahren wurde nur für das Ehepaar Mahrer eingestellt, welches zuvor ebenfalls angeklagt war. Ihnen werden schwerer gewerbsmäßiger Betrug, Untreue und betrügerische Krida vorgeworfen. In den Aussagen der Angeklagten wird jedoch betont, dass sie mit den Anschuldigungen nicht einverstanden sind. Besonders brisant ist die Anklage gegen den SPÖ-Bezirksvorsteher Ernst Nevrivy, der interne Informationen weitergegeben haben soll. Ihm wird ein Schaden von etwa 850.000 Euro für die Stadt Wien vorgeworfen.
Rechtslage und Bedeutung
Die Vorwürfe, die hier erhoben werden, sind Teil eines breiteren Phänomens der Wirtschafts- und Organisierten Kriminalität, das immer mehr in den Fokus von Strafverfolgungsbehörden und Gesetzgebern rückt. Wirtschaftskriminalität umfasst eine Vielzahl von Straftaten, darunter Betrug, Untreue und Insolvenzkriminalität. Diese Taten sind oft schwer nachweisbar und erfordern eine enge internationale Zusammenarbeit für eine effektive Verfolgung. Im Fall Wienwert zeigt sich, dass auch hier umfangreiche Täuschungen stattfanden, um den Status der Immobiliengruppe zu beschönigen, während sich ihre tatsächliche Zahlungsunfähigkeit verschloss.
Gruze’s Verteidiger kündigte an, sich in Teilen schuldig zu bekennen, was vermuten lässt, dass die Angeklagten versuchen, unterschiedliche Strategien zu verfolgen, um aus den schweren Vorwürfen ein besseres Licht auf sich zu werfen. Währenddessen weigern sich andere, wie Hallmann, die ihnen vorgeworfenen Delikte zu akzeptieren und streiten alles ab.
Politische Dimension
Die Untersuchung hat auch eine politische Komponente, da prominente lokale Politiker von den Ermittlungen betroffen sind. Der Fall bringt die Problematik von Korruption und wirtschaftlichen Fehlverhalten in der öffentlichen Verwaltung ans Licht. Sollte sich die Schuld von Nevrivy bestätigen, hat das nicht nur rechtliche Folgen, sondern könnte auch das Vertrauen in die politischen Institutionen erheblich beeinträchtigen.
Zusammengefasst ist der Wienwert-Prozess ein eindeutiges Beispiel für die Komplexität der gegenwärtigen Wirtschafts- und Organisierten Kriminalität, das die Notwendigkeit einer klaren gesetzlichen Grundlage und einer effektiven Strafverfolgung unterstreicht. Obwohl der Prozess noch in vollem Gange ist, hat er bereits Fragen über die Verantwortung von Führungskräften und die Integrität des politischen Systems aufgeworfen.