In Wien ist erstmals eine Familie mit zwölf Kindern im Sozialhilfesystem registriert. Dies wurde von der „Kleinen Zeitung“ berichtet, die sich auf Daten des Wiener Sozialsystems stützt. Im Frühjahr sorgte bereits eine syrische Familie mit elf Kindern für Aufsehen, da sie monatlich über 9.000 Euro an Sozialleistungen erhielt. Diese neuen Entwicklungen führen zu intensiven politischen Debatten und Kritik am bestehenden Sozialhilfesystem.

Obwohl die Identität, Herkunft und Wohnsituation der Großfamilie mit zwölf Kindern nicht bekannt gegeben wurden, erregt der Fall die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit. Während die Zahl der kinderreichen Sozialhilfebezieher in Wien steigt, ist die Gesamtzahl der Mindestsicherungsbezieher leicht rückläufig. Aktuell sind 135.783 Personen auf Mindestsicherung angewiesen, was einen Rückgang von rund 3.000 im Vergleich zum Vorjahr darstellt.

Politische Reaktionen und Debatten

FPÖ-Generalsekretär Michael Schnedlitz äußerte sich kritisch zu dieser Entwicklung und bezeichnete die Situation als „Armutszuwanderung“. Er fordert einen Stopp des Zuzugs und ist der Ansicht, dass die Politik unfähig oder unwillig sei, das Sozialsystem zu schützen. Gleichzeitig plant Bettina Emmerling von den Neos Kürzungen der Sozialhilfe für Familien mit mehreren Kindern. Sie argumentiert, dass jedes Kind gleich viel wert sei, aber nicht gleich viel koste, und fordert eine Fairness gegenüber arbeitenden Familien.

Wien steht vor einer Herausforderung, da die Budgetverhandlungen für 2026 anstehen und die Schulden auf über 15 Milliarden Euro steigen könnten. Finanzstadträtin Barbara Novak von der SPÖ fordert bedachte Reformen und sieht Großfamilien in der Mindestsicherung als Randerscheinung. Der Sozialstadtrat Peter Hacker kritisierte bereits im Vorjahr Angriffe auf das Sozialsystem.

Demografische Veränderungen

Die aktuelle Situation zeigt zudem einen Trend zu mehr Großfamilien, der das Wiener Sozialsystem finanziell belastet. Im September gab es insgesamt fünf Familien mit elf Kindern und eine Familie mit zwölf Kindern im Sozialhilfesystem. In den letzten Monaten wurden 18 neue Familien mit fünf oder mehr Kindern registriert. Die elf größten Familien in Wien haben insgesamt 117 Kinder.

Die Mindestsicherung pro Kind beträgt in Wien 326,44 Euro, plus eventuell bis zu 200,40 Euro Familienbeihilfe und weitere Zuschüsse. Diese Beträge übersteigen für viele Erwerbstätige das eigene monatliche Nettoeinkommen. Einige Kritiker fordern daher schnellere Obergrenzen für Sozialleistungen und eine umfassende Reform des Sozialhilfesystems.

Zukünftige Reformen

Bürgermeister Michael Ludwig plant umfassende Änderungen bei der Wiener Mindestsicherung, um das System langfristig finanzierbar zu machen und die Mittel gezielter einzusetzen. Änderungen sind vorgesehen, die die Anrechnung der Wohnkosten betreffen, die künftig auch für Kinder gelten soll. Dies könnte jährliche Einsparungen von etwa 20 Millionen Euro ermöglichen.

Die Stadtverwaltung rechnet mit Einsparungen von rund 75 Millionen Euro jährlich durch weitere geplante Maßnahmen, die eine gerechtere Behandlung von Bedarfsgemeinschaften beinhalten. Diese Entwicklungen zeigen, dass die Stadtverwaltung auf die Herausforderungen durch steigende Zahlen von Großfamilien reagieren muss, um die soziale Sicherheit und Integration in den Arbeitsmarkt zu gewährleisten.