In Wien warten Patienten, die an Autismus oder ADHS leiden, im Durchschnitt sechs bis acht Monate auf einen Termin bei Klinischen Psychologen. Diese alarmierenden Wartezeiten könnten sich bald weiter verschärfen, da die klinisch-psychologische Diagnostik und Behandlung ab 2024 als Kassenleistung anerkannt wird, während gleichzeitig ein massiver Mangel an Ausbildungsplätzen für angehende Klinische Psychologen droht. Ein offener Brief von rund 340 Psychologen, der an den Gesundheitsstadtrat Peter Hacker gerichtet ist, macht auf die missliche Lage aufmerksam, die entweder direkt oder indirekt die Versorgung psychisch erkrankter Menschen angreift. ots.at berichtet, dass pro mente Austria die schnellere Schaffung von Ausbildungsplätzen fordert.

Das Problem ist vielschichtig. Die postgraduale Ausbildung umfasst etwa 3.000 Praxisstunden, darunter knapp 1.000 Stunden in multiprofessionellen Teams. Derzeit stehen für etwa 600 Auszubildende jedoch nur rund 200 Plätze zur Verfügung. Dies hat zur Folge, dass viele Ausbildungskandidatinnen und -kandidaten in einigen Bundesländern mehrere Jahre auf eine Fachausbildungsstelle warten müssen. Zudem gibt es kaum bezahlte Praktikumsplätze, die den notwendigen Vorgaben entsprechen. Dies führt dazu, dass Einrichtungen oft keine Ausbildungsstellen anbieten können, und der Mangel an Plätzen hinausgezögert wird. zeitungderarbeit.at ergänzt, dass seit der Pflicht zur Bezahlung von Praktika im Jahr 2014 diese Tendenz noch verstärkt wurde. Marko Lang, ein Auszubildender, schätzt, dass auf einen Praktikumsplatz etwa fünf Bewerber kommen.

Forderungen und Lösungsansätze

Die Forderungen aus dem offenen Brief sind konkret und zielgerichtet. pro mente Austria und die Unterzeichner des Briefes fordern die sofortige Schaffung zusätzlicher, fair finanzierter Praxisstellen sowie die Unterstützung von Versorgungsträgern. Zudem wird eine verlässliche Finanzierung der bezahlten Praktika gefordert, um die drohende Unterversorgung zu vermeiden. Schließlich soll sichergestellt werden, dass die bevorstehende Anerkennung der klinisch-psychologischen Diagnostik nicht am Fehlen von Fachkräften scheitert.

Die klinisch-psychologische Betreuung hat sowohl im Krankenhaus als auch etwa bei Reha- oder Kuraufenthalten seine Kosten gedeckt, allerdings sind hier Zuzahlungen vom Versicherten nötig. Bei ambulanten Behandlungen ist eine Überweisung durch einen Arzt oder Psychotherapeuten erforderlich, um die Kosten erstattet zu bekommen. gesundheit.gv.at beschreibt, dass bis zu zehn Stunden klinisch-psychologische Krisenbegleitung bei schwerwiegenden Belastungen vom Bundessozialamt übernommen werden.

Die gegenwärtige situation ist nicht nur für die angehenden Psychologen schwierig, sondern wirkt sich auch direkt auf die Patienten aus. Die Wartezeiten und die Verknappung der Ausbildungsplätze schaffen ein Teufelskreis, der sowohl die Qualität der psychischen Versorgung gefährdet als auch die Gesundheit vieler Menschen gefährdet. Die Zeit drängt, um eine Lösung für diese kritische Lage zu finden, die alle Beteiligten in der Gesundheitsversorgung betrifft.