Ein schwerer Fall von Kindesmisshandlung beschäftigt derzeit die Justiz in Wien. Ein Säugling wurde wegen eines Krampfanfalls ins Krankenhaus eingeliefert, wo medizinische Untersuchungen einen deutlichen Misshandlungsverdacht ergaben. Die Schwere der Verletzungen erforderte eine Notoperation, und es bestand Lebensgefahr für das Mädchen. Die zuständigen Behörden, darunter das Krankenhaus, erstatteten Anzeige.

Der 35-jährige deutsche Angeklagte wird beschuldigt, das Mädchen zwischen Mitte April und 28. Mai 2025 in mindestens zwei Attacken heftig geschüttelt zu haben. Dies hat zu schweren Verletzungen geführt, die im Zusammenhang mit einem Schütteltrauma stehen, auch bekannt als Schütteltrauma-Syndrom. Schütteltrauma ist eine häufige Folge von Kindesmisshandlung, bei der Babys und Kleinkinder – deren Nackenmuskulatur noch nicht ausgebildet genug ist – durch heftiges Schütteln schwere Schädel-Hirn-Verletzungen erleiden können. Bis zu 30 % der betroffenen Kinder sterben, während etwa 70 % der Überlebenden mit langfristigen Schäden leben müssen.

Anklage wegen fortgesetzter Gewaltausübung

Neben der Anklage wegen des Schütteltraumas wird dem Mann auch fortgesetzte Gewaltausübung vorgeworfen. Die Mutter des Kindes, eine Kroatin, gab an, dass ihr Partner sie seit Juli 2024 regelmäßig geschlagen habe. Schockierend ist auch der Vorwurf, dass er sie während ihrer Schwangerschaft trat. In ihrer Einvernahme belastete die Frau den Mann schwer und berichtete, er habe auch den Säugling geschlagen.

Der Mann wurde in Untersuchungshaft genommen, während die Mutter gegen mildere Auflagen entlassen werden konnte. Der Fall hat die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich gezogen, insbesondere aufgrund der besorgniserregenden Häufigkeit von Schütteltraumata. Statistiken zeigen, dass 80 % der betroffenen Babys unter einem Jahr alt sind und dass Misshandlungsbedingte Kopfverletzungen oft im familiären Umfeld passieren, wobei meist die biologischen Eltern die Täter sind.

Kontext und Prävention

Der Neurochirurg Norman Guthkelch wies bereits 1971 auf die Gefahren des Schüttelns hin. Präventive Maßnahmen sind unbedingt erforderlich, um das Risiko für Schütteltraumata zu minimieren. Dazu zählen häusliche Besuchs- und Beratungsprogramme, die speziell darauf abzielen, übermäßiges Schreien von Säuglingen zu behandeln und Eltern zu unterstützen, die mit dem Schreien überfordert sind. Aktuelle Studien zeigen, dass zwischen 5 und 19 % der Säuglinge anhaltend schreien, ein Zustand, der zu Erschöpfung und Frustration bei den Eltern führen kann.

Für die betroffenen Familien ist es wichtig, frühzeitig Hilfe in Anspruch zu nehmen. Fachärzte, Schreiambulanzen und Beratungsstellen bieten wertvolle Unterstützung an, um eine positive Eltern-Kind-Beziehung aufrechtzuerhalten und Gewalt zu verhindern. Der Fall in Wien ist ein weiteres tragisches Beispiel für die tiefgründigen Herausforderungen, die mit dem Aufziehen von Säuglingen verbunden sind und dem Bedarf an verstärkter Unterstützung und Aufklärung in der Gesellschaft. Das Kind befindet sich aktuell in der Obhut der Kinder- und Jugendhilfe (MA 11).