In einem aufsehenerregenden Prozess am Bahnhof Meidling wird der mutmaßliche Anführer von 24 Angeklagten mit tschetschenischen Wurzeln, Abu Bakar D., wegen seiner angeblichen Rolle in einem Gewaltangriff auf eine Gruppe von Syrern vor Gericht gestellt. Laut exxpress.at wird ihm vorgeworfen, zum Übergriff aufgerufen zu haben, doch er bestreitet alle Vorwürfe. Der Angriff ist Teil eines über Monate andauernden „Bandenkriegs“ zwischen jungen Tschetschenen und Syrern, der die Wiener Polizei im Jahr 2024 in Atem hielt.
Abu Bakar D. argumentiert, dass er, als er zum Bahnhof fuhr, lediglich verhindern wollte, dass Landsleute an der Gewalt teilnehmen. Dennoch zeigen Beweise, die der Staatsanwalt präsentierte, darunter Handy-Daten und Chats, dass er als Anführer in diesem Konflikt agierte. Vor dem Angriff soll er zudem Anweisungen zum Vernichten von Beweismaterial gegeben haben. Sechs seiner Mitangeklagten waren geständig, reklamierten jedoch, keine gewalttätigen Handlungen gesetzt zu haben, und erhielten bedingte Haftstrafen, die jedoch noch nicht rechtskräftig sind.
Hintergründe des Konflikts
Der Gewaltausbruch ist auf langjährige Spannungen zwischen verschiedenen migrantischen Gruppen in Wien zurückzuführen. Die Vorurteile und Konflikte, die sich zwischen den Tschetschenen und Syrern entwickelt haben, basieren auf mutmaßlichen Übergriffen von Syrern auf Tschetschenen, was zu den Ausschreitungen mit mehreren Schwerverletzten führte. Tschetschenen richteten Telegram-Accounts ein, um gegen spezifische Gruppen, identifiziert durch ihre Postleitzahlen, zu mobilisieren.
Diese Entwicklung steht in einem breiteren Kontext von Migrations- und Kriminalitätsfragen. Laut bpb.de zeigt zwar ein kleiner Teil der Migrantinnen und Migranten eine höhere Kriminalitätsrate als die einheimische Bevölkerung, doch sind oft soziale Isolation und vorherige Gewalterfahrungen der Auslöser für Gewaltdelikte. Insbesondere unter den Jugendlichen mit Migrationshintergrund sind seit 2022 Anstiege der Kriminalität zu beobachten.
Fortgang des Verfahrens
Das Verfahren wird am Mittwoch fortgesetzt, wobei die angegriffenen Afghanen als Zeugen geladen sind. Es wird erwartet, dass die kommenden Anhörungen weitere Einblicke in die Dynamik und die Auswirkungen des Konflikts geben werden. Abu Bakar D. hat in einem getrennten Verfahren eine zehnjährige Freiheitsstrafe erhalten, die jedoch noch nicht rechtskräftig ist, und seine Aussagen über seine Rolle und Motive werden weiterhin genau unter die Lupe genommen.
Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) hat gezeigt, dass der Anteil von ausländischen Tatverdächtigen an allen Tatverdächtigen in den letzten Jahren angestiegen ist. Während die registrierte Kriminalität unter den Jugendlichen insgesamt gestiegen ist, betont das Institut für Öffentliches Recht und Sicherheitsforschung die Notwendigkeit von Präventionsmaßnahmen zur Integration und Verbesserung der Lebensbedingungen von Migrantinnen und Migranten, um Konflikten und Kriminalität entgegenzuwirken.