In einer bemerkenswerten Wiederentdeckung ist die Erzählung „Gedankenstrahlen“ der österreichischen Exilautorin Maria Lazar, die 1937 in Dänemark veröffentlicht wurde, nun erstmals auf Deutsch erhältlich. Verlegt vom Kleinverlag Das vergessene Buch, hat Verleger Albert C. Eibl den Titel für einen neuen Erzählband gewählt, der auch Short Stories aus dem Nachlass von Lazar enthält. Viele dieser Geschichten wurden bisher nur in Dänemark veröffentlicht oder unter dem Pseudonym Esther Green zwischen 1937 und 1942 in der „Basler National-Zeitung“ abgedruckt.

Lazar, die aus einer wohlhabenden jüdischen Familie in Wien stammte, spielte in ihren Geschichten häufig mit Themen des Unheimlichen und behandelte Verbrechen sowie deren Lösungen und Nachahmungen. In ihrer Erzählung „Gedankenstrahlen“ wird das bedrängende Gefühl thematisiert, dass die Welt aus den Fugen gerät – ein Motiv, das sich durch ihre Werke zieht und das Eibl in seinem Nachwort hervorhebt. Besonders eindrücklich beschreibt Lazar in der Geschichte „Marjorie“ die Unmenschlichkeit ihrer Figuren, wie etwa Mr. Brakley, der als Personifizierung dieses Themas fungiert.

Kritische Themen und der historische Kontext

Der Erzählband, der 412 Seiten umfasst und für 26 Euro erhältlich ist, spiegelt die abenteuerlichen und gefährlichen Alltagsbedingungen wider, unter denen Lazar lebte und schrieb. Eibl warnt in seinem Nachwort auch vor dem Typus des „verbindlichen Paragraphenreiters und nihilistischen Funktionärs“, der in der heutigen Zeit wieder stärker auftritt. Der Zusammenhang zwischen Erpresserbriefen und dem Aufeinandertreffen von Kriminalität und einem „Evangelium der Ausrottung“, das die Dezimierung der Menschheit propagiert, wird ebenfalls in der Diskussion um Lazars Werk angesprochen, und verdeutlicht ihre Relevanz in der heutigen Gesellschaft.

Maria Lazar, geboren am 22. November 1895 in Wien, war nicht nur Autorin, sondern auch Übersetzerin und Publizistin. Ihre literarische Karriere begann in den 1920er Jahren und setzte sich bis in ihr Exil fort, das sie 1933 auf die dänische Insel Thurø führte. Durch ihre umfassende Ausbildung und die Begegnungen mit zahlreichen kulturellen Persönlichkeiten in Wien, darunter auch Oskar Kokoschka, wurde Lazar stark geprägt in ihrem literarischen Schaffen. Trotz widriger Umstände und der kommunistischen Verfolgung in Europa, schuf sie bedeutende Werke, die noch weitgehend der Entdeckung harrten.

Wiederentdeckung und Zukunft von Lazars Werk

Die Rückkehr von Lazars Erzählungen in die literarische Öffentlichkeit erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem die Aufarbeitung der Geschichte des Exils und der Verfolgung von Künstlern dringend notwendig erscheint. Ihr Werk, das sowohl literarische Qualität als auch historische Relevanz besitzt, ist inzwischen auch Gegenstand von wissenschaftlichem Interesse und wird in verschiedenen Verlagen neu herausgegeben. Neben „Gedankenstrahlen“ werden auch Gedichte, sowie ihr Roman „Viermal ICH“, der bereits in der zweiten Auflage erschienen ist, neu aufgelegt.

Die Erzählungen von Maria Lazar laden dazu ein, sich nicht nur mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen, sondern bieten auch kritische Einblicke in aktuelle gesellschaftliche Phänomene. Wer mehr über das Leben und Werk dieser faszinierenden Frau erfahren möchte, findet in den neu veröffentlichten Bänden und in der weiterhin wachsenden Bibliographie von Lazar die Möglichkeit, ihr literarisches Erbe zu erkunden und ihre Stimme neu zu vernehmen.