Die humanitäre Lage in der Stadt Kobane im Norden Syriens ist katastrophal. Laut Informationen von Kleine Zeitung ist die Lieferung von Lebensmitteln und anderen Bedarfsgütern nahezu komplett gestoppt. Kurdische Aktivisten sprechen von einer Belagerung der Stadt, während die Übergangsregierung in Damaskus auf die Vorwürfe nicht reagiert. Viele Familien, die vor vorrückenden Regierungstruppen geflohen sind, haben in Kobane Schutz gesucht.

Ein Hilfskonvoi mit Medikamenten und Lebensmitteln ist auf dem Weg nach Kobane. Am Samstag wurde dieser Konvoi, bestehend aus 24 Lastwagen, von Behörden in Aleppo und UNO-Hilfsorganisationen organisiert. Trotz der prekären Situation wurde die aktuelle Waffenruhe, die am Samstag auslief, um 15 Tage verlängert. Diese Waffenruhe soll der Verlegung inhaftierter IS-Kämpfer aus Gefängnissen in den Irak dienen.

Akute Versorgungskrise und Proteste

Die brutale Realität in Kobane wird durch die eingeschränkte Wasserversorgung, die seit der Übernahme des Tischrin-Staudamms durch Regierungstruppen herrscht, weiter verschärft. Laut Zeit haben zahlreiche Zivilisten mit Stromausfällen und fehlenden Ressourcen zu kämpfen. Farhan Hajj Issa, ein Repräsentant der kurdischen Selbstverwaltung, beschreibt die Situation als lebensbedrohlich. Die Bäckereien in der Stadt sind geschlossen und die Gemüsemärkte leer, was zu einer akuten Versorgungskrise führt, insbesondere bei Kindern.

Darüber hinaus warnt die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte vor der verschärften Lage in Kobane. Die entstehenden Fluchtbewegungen sind direkte Folgen der Offensive der Übergangsregierung, die alle Gebiete Syriens unter eine Zentralregierung stellen möchte. Beide Konfliktparteien werfen sich gegenseitig Verstöße gegen die Waffenruhe vor.

Internationale Reaktionen

Währenddessen hat eine internationale Solidaritätskarawane für Rojava Wien erreicht. Auf dem Heldenplatz fand ein Protest gegen die Belagerung Kobanes durch islamistische Milizen unter türkischer Kontrolle statt. An der „Karawane zur Verteidigung der Menschlichkeit“ nahmen mehr als hundert Aktivisten aus Europa und Lateinamerika teil. Sie wollen Aufmerksamkeit auf die Eskalation in der Region lenken und nach Kobane reisen.

Kobane, das zwischen 2014 und 2015 erfolgreich gegen den IS verteidigt wurde, gilt als Symbol des Widerstands. Die humanitäre Krise dort hat alarmierende Ausmaße angenommen, und es bleibt abzuwarten, ob die angekündigten Hilfsmaßnahmen rechtzeitig zur Verbesserung der Lebensbedingungen der dort lebenden Menschen führen können. Gemäß berichten Aktivisten und lokale Verantwortliche von belagerungsähnlichen Zuständen, die die Lebensqualität der Bewohner stark beeinträchtigen.