Das Theater an der Wien (TAW), ein Teil der Vereinigten Bühnen Wien (VBW), steht aufgrund der gegenwärtigen Sparpolitik vor einer grundlegenden Umstrukturierung. Intendant Herheim hat bedauert, dass die Kammeroper als zweiter Spielort vorübergehend aufgegeben wird. Diese Entscheidung betrifft nicht nur die kulturelle Landschaft, sondern hat auch weitreichende Auswirkungen auf die Nachwuchsförderung, da die Kammeroper als wichtiges Sprungbrett für junge Talente gilt. Die Räumlichkeiten sind sanierungsbedürftig, und der bestehende Mietvertrag läuft bis zum Sommer 2027.

Herheim sucht aktiv nach Untermietern für die Kammeroper, um die finanziellen Einschnitte abzufedern. Er betont, dass die fehlende Planungssicherheit ein zentrales Problem darstellt. Das MusikTheater an der Wien benötigt mindestens drei Jahre Vorlauf für die Erstellung seines Spielplans. In diesem Zusammenhang wurde das Budget für das Jahr 2026 erst Mitte Dezember 2025 bereitgestellt, was die Planungen erheblich erschwert.

Reduzierte Neuproduktionen und neues Konzertangebot

Die vorübergehende Schließung der Kammeroper hat direkte Auswirkungen auf die Anzahl szenischer Neuproduktionen und Vorstellungen im kommenden Jahr. Ohne diesen wichtigen Spielort wird die Vielfalt der künstlerischen Angebote stark vermindert. Um den Herausforderungen entgegenzuwirken, plant das TAW, das Konzertangebot auszuweiten. Dennoch sieht sich Herheim in erster Linie als Regisseur und Intendant, der für die künstlerische Kreativität verantwortlich ist.

Die Diskussion um Sparmaßnahmen zeigt, wie sehr der Spielbetrieb von einer stabilen finanziellen Grundlage abhängt. Herheim ist offen für Gespräche über Einsparungen, fordert jedoch auch die nötige Planungssicherheit von der Politik. Er warnt vor den potentiellen Folgen einer unzureichenden Budgetplanung für das Jahr 2027.

Kritik von der politischen Seite

Die politische Reaktion auf die Situation im TAW ließ nicht lange auf sich warten. Die FPÖ Wien hat nach einem Interview mit Herheim Konsequenzen für Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) gefordert. FPÖ-Stadtrat Stefan Berger sprach von einem „kulturpolitischen Totalversagen“, das in der Stadt nicht hingenommen werden dürfe.

Diese Entwicklungen sind auch Teil einer größeren Diskussion um die Budgetentwicklung im Bereich Kunst und Kultur. So wurde im Nationalrat die Budgetlage für die Jahre 2024, 2025 und 2026 erörtert. Während 2025 für Kunst und Kultur ein Budget von 670,7 Millionen Euro bereitgestellt wurde, ist für 2026 mit einem Rückgang auf 629,8 Millionen Euro zu rechnen. Die Kunst- und Kulturförderungen sind im Vergleich zu den Vorjahren rückläufig, was die finanzielle Situation der Kulturschaffenden zusätzlich belastet.

Einsparungen sollen zwar gleichmäßig verteilt werden, trotzdem stellt die Reduzierung des Budgets eine Herausforderung für Einrichtungen wie das TAW dar. Bei den Förderungen für Kunst und Kultur zeigt sich, dass die Budgets auch in den letzten Jahren stets über der Inflation lagen, was jedoch nicht den Druck mindert, unter dem die Kulturszene derzeit steht.