Die Salzburger Schauspielerin Julia Riedler hat sich in der Theaterlandschaft einen Namen gemacht. Mit ihrer jüngsten Auszeichnung als Schauspielerin des Jahres und ihrem gewonnenen Nestroy-Preis hat sie nun eine neue Plattform erreicht. Riedler, die 1990 in Salzburg geboren wurde, hat ihre künstlerischen Wurzeln in Hamburg und nicht in den traditionelleren österreichischen Institutionen wie dem Mozarteum oder dem Reinhardt Seminar. Zuvor studierte sie Rechtswissenschaften, bevor sie ihre Leidenschaft für das Theater entdeckte und als Regieassistentin am Salzburger Landestheater arbeitete. Diese Erfahrungen haben ihre Auffassung von Theater und der Interaktion mit dem Publikum geprägt, die sie als zentral für ihre Kunst sieht, wie Kleine Zeitung berichtet.

Ein wichtiger Bestandteil von Riedlers künstlerischem Schaffen ist ihr aktuelles Projekt „Fräulein Else“. Dieses Stück, eine Adaption der gleichnamigen Novelle des Autors Arthur Schnitzler, beschäftigt sich mit den Themen sexualisierter Machtmissbrauch und Doppelmoral. Die Handlung dreht sich um die junge Else T., die sich in einem Kurort mit den finanziellen Problemen ihrer Familie auseinandersetzt und dazu gezwungen ist, sich in ihrer vulnerablen Position zu behaupten. Sobald sie einen verzweifelten Brief von ihrer Mutter erhält, wird ihr klar, dass sie den Kunsthändler Dorsday um Geld bitten muss – mit katastrophalen Konsequenzen, die die patriarchalen Strukturen der Gesellschaft beleuchten, wie auch die Volkstheater zeigt.

Regiedebüt und Weiteres Engagement

Mit ihrem Regiedebüt, das 2026 mit „Hamlet“ am Theater in Freiburg stattfinden wird, möchte Riedler frischen Wind in die Theaterproduktion bringen. In den letzten Jahren hat sie sich als freischaffende Schauspielerin etabliert und sich von institutionellen Zwängen befreit, was ihr kreative Freiräume eröffnet hat. Dies zeigt, dass Riedler nicht nur als Schauspielerin erfolgreich ist, sondern auch als kreative Kraft, die das Theater neu interpretieren möchte. Sie hat bereits mit renommierten Regisseuren wie Leonie Böhm, Nicolas Stemann und Philippe Quesne zusammengearbeitet, was ihr die Möglichkeit gab, verschiedene Ansätze und Techniken in ihrem eigenen Schaffen zu integrieren.

„Fräulein Else“ wird im Jänner und Februar 2024 am Volkstheater gezeigt, gefolgt von Aufführungen in Köln und München. Das Stück wird als Solo für Riedler inszeniert und ist die erste Regiearbeit von Leonie Böhm in Wien. Diese besondere Inszenierung zeigt nicht nur die Bedeutung der Rolle von Kunst in Krisensituationen, sondern ist auch eine deutliche Antwort auf die gegenwärtigen Sparmaßnahmen im Kultursektor, die Riedler scharf kritisiert, wie Kleine Zeitung anmerkt.

Theater als kultureller Kommentar

Theater hat sich über die Jahre als wichtiges Medium etabliert, um gesellschaftliche Probleme und menschliche Konflikte zu spiegeln. Das Werk „Fräulein Else“ entstand 1924 und beleuchtet bereits damals Themen, die auch heute noch brisant sind. Im weiteren Kontext, etwa angesichts literarischer Entwicklungen wie der Posse „Theaterg’schichten durch Liebe, Intrigue, Geld und Dummheit“ von Johann Nestroy, wird deutlich, dass Theater stets ein Ort des kulturellen Kommentars war. Nestroy schuf mit seinen Stücken Ironie und kritische Reflektionen über den Theaterbetrieb, die auch Riedler und Böhm in ihren eigenen Arbeiten anstreben, um gesellschaftliche Missstände anzusprechen und die Relevanz des Theaters im 21. Jahrhundert zu unterstreichen, wie auch auf Wikipedia nachzulesen ist.