Josef Grünwidl hat am 24. Jänner 2026 das Amt des 33. Erzbischofs von Wien übernommen. Die Weihe und Amtseinführung fanden im imposanten Wiener Stephansdom statt, einer der bekanntesten Kathedralen der Stadt. Kardinal Christoph Schönborn leitete die Zeremonie, die von rund 3.000 Menschen, darunter der Bundespräsident Alexander Van der Bellen und Bundeskanzler Christian Stocker, besucht wurde. Der Gottesdienst war von hohen Sicherheitsvorkehrungen umgeben, die die Feierlichkeit begleiteten.

In seiner ersten Ansprache als Erzbischof betonte Grünwidl die Herausforderungen, die sein neues Amt mit sich bringt, insbesondere in politisch und wirtschaftlich bewegten Zeiten. Er sprach über den Umbruch innerhalb der römisch-katholischen Kirche und hob die Bedeutung von Nächstenliebe und Solidarität hervor. Auch die Landeshauptfrau von Niederösterreich, Johanna Mikl-Leitner, sowie der Bürgermeister von Wien, Michael Ludwig, übermittelten ihre Glückwünsche.

Ein bemerkenswerter Weg zur höchsten Kirche

Josef Grünwidl wurde am 17. Oktober 2025 von Papst Leo XIV. zum Nachfolger von Kardinal Schönborn ernannt, nachdem dieser am 22. Jänner 2023, an seinem 80. Geburtstag, in den Ruhestand trat. Seinen Werdegang kann man als klassisch für einen Mann der Kirche bezeichnen: geboren 1964 in Weinviertel, studierte er Theologie und Orgel in Wien, bevor er 1988 zum Priester geweiht wurde. Seine Erfahrungen als Kaplan, Kurat und Diözesanjugendseelsorger prägten sein Wirken in der Erzdiözese, die er seit einem Jahr interimistisch leitete. Besonders hervorzuheben ist seine frühere Rolle als erster Sekretär von Kardinal Schönborn von 1995 bis 1998.

Grünwidl gilt als vergleichsweise progressiv und befürwortet die Diskussion über Diakoninnen sowie eine Lockerung der Zölibatspflicht. Seine Ernennung wird als möglicher Bruch mit der Tradition betrachtet, da Papst Franziskus den Automatismus der Kardinalswürde für das Amt des Erzbischofs von Wien aufgehoben hat, was zu einer neuen Dynamik innerhalb der Kirche führen könnte.

Ein Gottesdienst für die Schwächeren

Grünwidl plant zudem, einen Gottesdienst mit armen Menschen abzuhalten, dessen Ort geheim bleibt, was zeigt, dass ihm soziale Themen am Herzen liegen. Bei der Zeremonie im Stephansdom nahm er einen Holzstab, der einst von Weihbischof Helmut Krätzl getragen wurde, und einen versilberten Konzilsring zur Hand, die beide symbolische Bedeutung tragen. Die Feier begann am Taufbecken – eine bewusste Abweichung von der traditionellen Praxis, die gewöhnlich am Altar beginnt.

Er wird eng mit der Verwaltung der Erzdiözese verbunden bleiben, die über eine Million katholische Gläubige umfasst. Die Aufgaben gestalten sich vielschichtig, und seine Vision für die geistliche Erneuerung der Kirche wird von vielen in der Diözese als vielversprechend angesehen. Es bleibt abzuwarten, ob ihm die Ernennung zum Kardinal zuteilwerden wird. Die österreichische Bischofskonferenz und die Wiener Regierung haben bereits ihre positive Stellungnahme zu seiner Ernennung abgegeben, was vielversprechende Signale für seine zukünftige Führung in der Erzdiözese setzt.

Grünwidl hebt die Notwendigkeit einer geistlichen Tiefe in der Kirche hervor und möchte durch einen Ihrer Zeit entsprechenden Ansatz eine Brücke zu den Gläubigen schlagen. Seine Vision wird sicherlich die Zukunft der Erzdiözese Wien prägen.