Am 4. Februar 2026 fand im Wien Museum die Präsentation des Sammelbands „Licht, Luft und Schatten“ statt, das den Abschluss eines umfassenden Forschungsprojekts von Wiener Wohnen und dem Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) markiert. Die Veranstaltung wurde von Vizebürgermeisterin Kathrin Gaál und der Direktorin von Wiener Wohnen, Karin Ramser, begleitet. Der 440 Seiten umfassende Sammelband widmet sich der Geschichte des Wiener Gemeindebaus und insbesondere der Rolle des Wohnungsamts während der NS-Zeit.

Im Rahmen dieses Projekts wurden die Akteur*innen, Strukturen sowie die Schicksale der Menschen untersucht, die von der nationalsozialistischen Wohnungspolitik betroffen waren. Die Forschungsergebnisse, die im Gedenkjahr „80 Jahre Ende Zweiter Weltkrieg“ veröffentlicht werden, bringen die Vertreibung jüdischer Mieter*innen ab dem 14. Juni 1938 ins Zentrum der Betrachtung. An diesem Tag erteilte der damalige Vizebürgermeister Thomas Kozich den Auftrag zur Delogierung aller jüdischen Mietparteien, wobei ein einheitliches Kündigungsdatum von 31. Juli 1938 festgelegt wurde. Diese Maßnahmen betrafen nicht nur Wohnräume, sondern auch Geschäfte und Arztpraxen.

Die Bedeutung der Forschung

Vizebürgermeisterin Gaál betonte die Wichtigkeit des Gedenkens an diese dunkle Vergangenheit, während Ramser auf die Notwendigkeit hinwies, die Biografien der verfolgten Mieter*innen stärker in den Fokus zu rücken. Laut den Forschungsergebnissen des DÖW wurde die Vertreibung nicht nur als politisches Werkzeug eingesetzt, sondern führte auch zu massiven Veränderungen im Alltag. Nach den Delogierungen zogen Parteileute und Unterstützer*innen des Regimes in die Cordon-Blasen ein, was die Schicksale der vertriebenen Menschen und deren Geschäfte dramatisch veränderte.

Der Sammelband bietet nicht nur historische Einblicke, sondern enthält auch Biografien von betroffenen Personen, die als „Gedenkbuch“ fungieren. Projektleiterin Claudia Kuretsidis-Haider erklärte die massiven Auswirkungen des „Anschlusses“ 1938, die weitreichende Folgen für das Leben im Gemeindebau hatten.

Geplante Maßnahmen im Gedenkjahr

Im Gedenkjahr 2025 sind verschiedene Vermittlungsmaßnahmen geplant, um die Geschichte greifbarer zu machen. Dazu gehören geführte Rundgänge durch zehn Bezirke, ein Gedenkabend im Rabenhof-Theater mit szenischer Lesung und Musik sowie das temporäre Community Museum „Auch das waren wir“ in der Nähe des Goethehofs. Eine begleitende Website, nievergessen.wienerwohnen.at, wird Biografien der Vertriebener und Informationen zu den Veranstaltungen bereitstellen.

Insgesamt beleuchtet der Sammelband die Geschichte des Gemeindebaus von der Zeit des Austrofaschismus bis hin zur NS-Herrschaft und thematisiert die Schicksale von jüdischen Mieter*innen sowie Opfern polizeilichen Unrechts. Herausgegeben wurde der Band von Mag.a Dr.in Claudia Kuretsidis-Haider und im Böhlau Verlag veröffentlicht.

Die Forschung zeigt eindrücklich, wie die Wohnungspolitik des Nationalsozialismus eine Schlüsselrolle in der Verfolgung und Vertreibung jüdischer Mitbürger*innen spielte. Mit einer Vielzahl an Veranstaltungen im Gedenkjahr wird angestrebt, das Gedächtnis und das Verständnis für diese Thematik in der Bevölkerung zu schärfen. Damit soll auch der weiteren Auseinandersetzung mit der Vergangenheit Raum gegeben werden. Weitere Informationen sind auch im ORF zu finden.