Am 12. Juni 2025 um 23:00 Uhr wurde ein heller Feuerball über Niederösterreich beobachtet. Der spektakuläre Anblick geschah nahe der Westautobahn zwischen St. Pölten und Melk. Diese Sichtung hat das Naturhistorische Museum in Wien (NHM) dazu veranlasst, die Bevölkerung zur Mithilfe aufzurufen. Es wird darum gebeten, nach möglichen Meteoritenbruchstücken Ausschau zu halten, die durch die Ereignisse vom 12. Juni in die Region gefallen sein könnten.
Die Fragmente des Meteoritenschwarms, die möglicherweise im Gebiet zwischen Inning und Haindorf gelandet sind, könnten etwa die Größe einer Marille haben. Der Meteor wurde vom Europäischen Feuerkugelnetz registriert, das entscheidende Daten über den Lichtschein in der Atmosphäre lieferte. Forscher aus Tschechien haben bereits ein Suchgebiet für die Überreste des Meteors eingegrenzt.
Meteoriten auffinden und dokumentieren
Bei einem möglichen Fund sollten die Entdecker auf eine charakteristische schwarze Kruste auf der Gesteinsoberfläche achten, die typischerweise für Meteoriten ist. Zudem sind viele Meteoriten, besonders Eisenmeteoriten, relativ schwer. Experten empfehlen, Fotos aus verschiedenen Perspektiven zu machen und den genauen Fundort mit GPS-Koordinaten zu dokumentieren. Notizen zu Datum, Uhrzeit und besonderen Begebenheiten am Fundort sind ebenfalls von großer Hilfe.
Die Funde sollten, wenn möglich, mit Alufolie oder in einem Plastiksackerl aufbewahrt werden. Täglich fallen etwa 100 Tonnen extraterrestrisches Material in Form von Staub auf die Erde, wobei Feuerbälle aus größeren Objekten entstehen, die als Meteore bezeichnet werden. Dies zeigt die Häufigkeit und das Potential solcher Ereignisse, die in der Öffentlichkeit oft wenig Beachtung finden.
Die Sammlungen des NHM
Das NHM Wien besitzt eine der größten Meteoriten-Sammlungen weltweit mit über 10.300 Objekten, die laut NHM Wien mehr als 2.550 verschiedene Meteoriten umfasst. Diese Sammlung belegt den dritten Platz weltweit, hinter dem Smithsonian National Museum of Natural History in den USA und dem National Institute of Polar Research in Japan. Besonders hervorzuheben ist die beeindruckende Ausstellung im Saal 5, die etwa 1.100 Meteoriten zeigt.
Die Sammlung des NHM hat eine lange Geschichte. Bereits 1751 wurden die ersten bedeutenden Meteoriten gesammelt, als zwei Eisenmassen in Hraschina, Kroatien, fielen. Im Laufe der Jahrhunderte wuchs die Sammlung beständig und wurde zu einem bedeutenden Forschungszentrum für Meteoriten und verwandte Impaktgesteine. Ein Beispiel für die historischen Funde ist der Haag-Meteoriten, der am 24. Oktober 2024 nahe der Westautobahn entdeckt wurde und kürzlich als Österreichs erster „Hammerstein“ bekannt wurde, da er eine von Menschen gebaute Struktur traf.
Die Forschung zur Meteoritenhistorie hat sich im Laufe der Zeit entwickelt, und mit der Installation einer Fisheye-Kamera auf dem Dach des NHM seit August 2015 wird das Ziel verfolgt, die Herkunftsregionen verschiedener Meteoritentypen zu bestimmen und seltene Meteoriten aufzufinden. Diese Kamera ist Teil des französischen Netzwerks FRIPON, das Daten zur Auffindung von Meteoriten in Echtzeit aufnimmt und auswertet.
Die aktuellen Bemühungen, den Meteoriten nach seinem Auftreten zu verfolgen und mögliche Rückschlüsse auf seine Herkunft zu ziehen, sind nicht nur für Wissenschaftler von Interesse, sondern auch für die breite Öffentlichkeit, die mit ihren Funden zur weiteren Forschung beitragen kann.



