In der aktuellen Folge der „Peter & Paul“-Sendung diskutieren Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbands Österreich, und Christian Will, Verkaufsleiter bei Makita Werkzeug, das Thema „Fair Play im Onlinehandel – Wettbewerb, der uns alle betrifft“. Die Episode wurde in den Räumlichkeiten von Behan & Thurm in Wien aufgezeichnet. Beide Experten gehen auf die Herausforderungen ein, die Billigprodukte aus Drittstaaten für den heimischen Markt darstellen.
Rainer Will unterstützt mehr als 4.500 Mitgliedsunternehmen des Handelsverbands, die zusammen 85% des österreichischen Marktes abdecken. In der Diskussion kritisiert er die volkswirtschaftlichen Schäden, die durch ausländische Billigwaren verursacht werden. Diese Produkte führen nicht nur zu einer Abwanderung von Onlineausgaben ins Ausland, sondern gefährden auch lokale Wertschöpfung und Arbeitsplätze. Schätzungen zufolge sind bis zu 100.000 Jobs indirekt betroffen, was auch zu signifikanten Steuerausfällen führen könnte.
Warnung vor Billigprodukten
Christian Will nimmt in der Diskussion ebenfalls eine kritische Haltung ein und weist auf die signifikanten Qualitätsprobleme bei Billigwaren hin. Eine seiner Hauptwarnungen gilt gefälschten Akkus und Ladegeräten, die erhebliche Brandrisiken bergen können. Die beiden Referenten fordern zudem faire Rahmenbedingungen, um lokale Onlinehändler zu schützen, indem sie die selben Steuerpflichten wie ihre Mitbewerber aus dem Ausland einhalten müssen.
Im Kontext der bundesweiten Initiativen hat die Bundesregierung am 29. Jänner 2026 einen umfassenden Aktionsplan für den E-Commerce vorgestellt. Dieser hat das Ziel, die Rechtsdurchsetzung gegenüber Onlinehandelsplattformen und Händlern sowohl aus der EU als auch aus Drittstaaten zu verbessern. Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz, Robert Habeck, hebt die Bedeutung eines fairen Wettbewerbs und des Verbraucherschutzes hervor. Er betont, dass im Jahr 2024 rund vier Milliarden Pakete über E-Commerce-Plattformen in die EU gelangen werden.
Maßnahmen zur Stärkung des Wettbewerbs
Dieser Aktionsplan basiert auf drei Hauptsäulen:
- Stärkung der Marktüberwachung und des Zolls: Eine bessere Marktüberwachung soll speziell auf den Onlinehandel ausgerichtet werden, wodurch E-Commerce-Plattformen stärker für die vermittelten Waren zur Verantwortung gezogen werden.
- Durchsetzung der Pflichten von Onlinehandelsplattformen: Der Digital Services Act (DSA) wird konsequent umgesetzt. Plattformen dürfen nur Händler zulassen, die vollständige Informationen zur Identifizierung bereitstellen, und bei Verstößen werden Accounts gesperrt.
- Stärkung der Verantwortung gegenüber Umwelt und Verbrauchern: Hierzu gehört der hohe Schutzstandard in digitalen Belangen sowie Maßnahmen gegen unlautere Personalisierungen und manipulative Designs.
Die Bundesregierung und andere Länder fordern ein koordiniertes Vorgehen der EU, um unkontrollierte Direktimporte zu bekämpfen. Besonders problematisch sind hierbei Plattformen wie Temu und Shein, da Schätzungen zufolge 85 bis 95 Prozent der von ihnen angebotenen Produkte nicht den europäischen Sicherheits- und Gesundheitsstandards entsprechen. Die EU-Kommission hat bereits ein Verfahren gegen Temu eingeleitet, um mögliche Verstöße gegen den DSA zu prüfen.
Rainer Will appelliert schließlich an die Behörden, eine klare Verantwortung für die korrekte Warendeklaration zu schaffen, um die Wettbewerbsbedingungen zu verbessern und die Verbraucher zu schützen. Für den Onlinehandel und die Konsumenten könnte dies ein wichtiger Schritt in Richtung eines nachhaltigeren und faireren Marktes sein.
Informationen aus der Leadersnet und dem Bundeswirtschaftsministerium unterstützen die Argumentation eines fairen Wettbewerbs im Onlinehandel, während der Händlerbund auf die Herausforderungen von illegalen Produkten aus Drittstaaten hinweist.