Am 24. Januar 2026 wurde Josef Grünwidl im Wiener Stephansdom zum neuen Erzbischof der Erzdiözese Wien geweiht. An diesem besonderen Tag, der auch dem Gedenktag des heiligen Franz von Sales gewidmet ist, kamen zahlreiche prominente Gäste zusammen, darunter die Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, der Bundespräsident Alexander Van der Bellen und der Bundeskanzler Christian Stocker. Die Feierlichkeit fand vor voll besetzten Rängen statt, die den Stephansdom bis auf den letzten Platz füllten. Mikl-Leitner hob in ihrer Ansprache die Notwendigkeit christlicher Werte in der gegenwärtigen Zeit hervor und beschrieb Grünwidl als eine Stimme des Glaubens und der Verantwortung.
Josef Grünwidl, der am 31. Januar 1963 in Hollabrunn geboren wurde, hat eine lange und beeindruckende kirchliche Karriere hinter sich. Nach dem Abschluss des Erzbischöflichen Gymnasiums in Hollabrunn und dem Theologiestudium in Wien wurde er 1988 zum Priester geweiht. Vor seiner Ernennung zum Erzbischof war er unter anderem als Kaplan und Pfarrer in verschiedenen Gemeinden tätig. Von 1995 bis 2014 diente er als Sekretär des Erzbischofs Christoph Schönborn und wirkte in der seelsorglichen Leitung des Vikariats Süd, das mehr als eine Million Katholiken umfasst. Zuvor war er Bischofsvikar und interimistisch seit 22. Januar 2025 in der Leitung der Erzdiözese.
Die Bedeutung der Bischofsweihe
In seiner Ansprache zitierte Grünwidl den heiligen Augustinus: „Für euch bin ich Bischof – mit euch bin ich Christ“. Damit unterstrich er seine Überzeugung, dass die Kirche mehr ist als ihre sichtbare Gestalt, sondern untrennbar mit dem Glauben und den Menschen verbunden ist. Er rief dazu auf, die Botschaft des Evangeliums in die Welt zu tragen, und betonte, dass wahres Christsein auf einem gemeinsamen Fundament beruht. Neben seiner seelsorglichen Verantwortung plant er einer der ersten Themen seiner Amtszeit zu diskutieren, wie der Zölibat und die Rolle von Frauen in der Kirche.
Der Bürgermeister von Wien, Michael Ludwig, würdigte Grünwidl als klugen und weltoffenen Seelsorger, ein Zeichen für die Offenheit und den Dialog innerhalb der Kirche. Grünen widls Bischofswappen und sein Wahlspruch „Nehmt Gottes Melodie in euch auf“ verdeutlichen seine Prinzipien von Einigkeit und Gemeinschaft im Glauben.
Ein neues Kapitel für die Kirche
Grünwidl, der als Apostolischer Administrator bereits mit der Leitung der Erzdiözese betraut war, wurde von Papst Leo XIV. am 17. Oktober 2025 zum Erzbischof ernannt. Diese Ernennung erfolgte nach dem altersbedingten Rücktritt von Kardinal Christoph Schönborn, der seinen Rücktritt an seinem 80. Geburtstag einreichte.
In den letzten Jahren hat Grünwidl stets betont, dass die Kirche eine Antwort auf die Herausforderungen der heutigen Zeit finden muss, insbesondere in den Bereichen Armut, Migration und die vielschichtigen Herausforderungen, vor denen die Gesellschaft steht.
Er sieht eine große spirituelle Sehnsucht unter den Menschen und zudem die Notwendigkeit, das jüdisch-christliche Gottesbild glaubhaft zu vermitteln. Grünwidl hat bereits Maßnahmen eingeleitet, um Frauen in die diözesane Leitung einzubeziehen, was für eine neue Ära des Dialogs innerhalb der Kirche steht. Mikl-Leitner schloss ihre Rede mit Dank an den Vorgänger des neuen Erzbischofs, Kardinal Schönborn, und bekräftigte die Bedeutung lebendiger Pfarren für Nächstenliebe und Zusammenhalt.
Die Bischofsweihe von Josef Grünwidl markiert einen wichtigen Wendepunkt für die Erzdiözese Wien, deren künftige Herausforderungen auf den Schultern eines engagierten und dialogbereiten Seelsorgers lasten. Grünwidl wird als ein Priester beschrieben, der in den Gemeinden Niederösterreichs fest verwurzelt ist und die Stimme der Hoffnung und des Vertrauens für viele Gläubige sein möchte.