Die serbisch-österreichische Schriftstellerin Barbi Marković wurde mit dem inauguralen Helena-Adler-Preis ausgezeichnet, der erstmals im Jahr 2025 vergeben wurde. Marković erhält die Auszeichnung für ihren Text „Stehlen, Schimpfen, Spielen“, welcher 2024 im Rahmen einer Poetik-Vorlesung an der Universität Salzburg entstand. Die Jury beschreibt ihre literarische Arbeit als rebellisch und grenzüberschreitend, da sie mit ihrem Schreiben genreliche Grenzen auslotet und sprengt.
Der Text „Stehlen, Schimpfen, Spielen“ wird als unterhaltsamer Regelbruch und Stilübung in literarischer Wahrhaftigkeit gewürdigt. Im Mittelpunkt des Werks steht ein abenteuerlicher Countdown gegen die Zeit, wobei sich Marković bewusst für das Scheitern entscheidet. Ihre besondere Form der „Notfallpoetik“ schwankt zwischen Größenwahn und Schutzpessimismus, was ihr erlaubt, komplexe Themen zu behandeln.
Einblicke in Markovićs Werk
Barbi Marković wurde 1980 in Belgrad geboren und hat Germanistik in Belgrad studiert. Seit 2006 lebt sie in Wien und hat zahlreiche Bücher veröffentlicht, darunter den Roman „Ausgehen“ (2009) und „Superheldinnen“ (2016), der ihr mehrere Auszeichnungen einbrachte. Ihre Sammlung surreal-humorvoller Kurzgeschichten „Minihorror“ erhielt 2024 den Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Belletristik. Im Februar 2025 wurde ihr „Piksi-Buch“ veröffentlicht, eine autofiktionale Geschichte, die Fußballspiele und die Geschichte Belgrads in den 1990er Jahren thematisiert.
Die Jury des Helena-Adler-Preises, bestehend aus Mia Eidlhuber (Der Standard), Katja Gasser (ORF) und Klaus Seufer-Wasserthal (Rupertus Buchhandlung Salzburg), hebt hervor, dass der Preis ein belletristisches Werk auszeichnen möchte, das sich sprachlich, formal und inhaltlich auflehnt. Dies bestätigt Markovićs Ansatz, der kontinuierlich auf der Suche nach neuen literarischen Ausdrucksformen ist.
Die Verbindung zu Thomas Bernhard
Ein weiteres bemerkenswertes Werk von Marković ist die Adaption „Izlaženje“ der Thomas-Bernhard-Erzählung „Gehen“, die 2006 in Serbien veröffentlicht wurde. Die Rückübersetzung ins Deutsche, „Ausgehen“, orientiert sich stark am Ursprungstext, wobei sie dessen Stilmittel und Themen in einen modernen Kontext überträgt. Marković nutzt stilistische Merkmale und zitiert auch andere Werke Bernhards, was die Herausforderung verdeutlicht, die Protagonist:innen in einer urbanen, popkulturellen Umgebung im heutigen Serbien zu positionieren.
Mit ihrer Literatur thematisiert Marković sowohl individuelle als auch gesellschaftliche Herausforderungen. Der Jugoslawienkrieg bildet eine unterschwellige Basis in ihren Geschichten, wird jedoch selten explizit erwähnt. Stattdessen sind es die Erfahrungen von Verstörung und der Verlust von menschlichen Verbindungen, die ihrer Protagonistinnen prägen. Ihre Werke verbinden verschiedene kulturelle Aspekte und thematisieren das Verschwinden von Menschen in der Gesellschaft sowie eine kritische Reflexion über die oberflächliche Popkultur.
Marković bleibt somit eine zentrale Figur der österreichischen Gegenwartsliteratur, deren Schreibstil und Themenkomplexität immer wieder zur Auseinandersetzung mit dem Status quo anregen.