In einer kürzlich veröffentlichten Sonderausgabe hat die ÖH (Österreichische Hochschüler*innenschaft) an der Universität Wien umfassende Informationen zu ihren Veranstaltungen im Rahmen des „Black History Month“ bekannt gegeben. In der Mitteilung, die an alle Studierenden verschickt wurde, sind mehrere Events für Februar angekündigt. Darunter befindet sich ein Workshop zum Thema rassistische Polizeigewalt, der ausschließlich für BIPoC (Black, Indigenous and People of Color) angeboten wird, sowie ein gemeinsamer Besuch der Performance „ANTI-MUSE – to those yet to come“, der ebenfalls nur für „Black Students“ zugänglich ist. Die Einladung wurde an alle Studierenden versendet, obwohl ein Teil der studentischen Gemeinschaft von einigen Veranstaltungen ausgeschlossen ist.
Die Bezeichnung BIPoC versteht sich als politische Selbstbezeichnung und umfasst Menschen, die in weißen dominierenden gesellschaftlichen Kontexten rassifiziert werden. Laut der Definition in der ÖH-Aussendung handelt es sich um „alle nicht-weißen Menschen“, wobei die Zuschreibung sozialer Natur ist und nicht auf biologischen Merkmalen basiert. Der Ausschluss weißer Studierender aus den Veranstaltungen wirft jedoch Fragen zur Feststellung der Zugehörigkeit und zur Akzeptanz persönlicher Selbstzuschreibungen auf.
Rassismus und Polizeigewalt im Fokus
Die Themen Rassismus und Polizeigewalt stehen nicht nur im Rahmen der Uni-Veranstaltungen im Mittelpunkt. Aktuelle Ereignisse, wie die tödlichen Fälle von Lorenz und Nelson, verdeutlichen die brisante Thematik. Lorenz A. wurde in Oldenburg bei einem Polizeieinsatz erschossen, während Nelson, ein 15-Jähriger, im August 2025 in einer Justizvollzugsanstalt starb. Beide Fälle sind von der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD) in den Kontext des institutionellen Rassismus gerückt worden, was auch eine unabhängige Aufklärung der Vorfälle mit sich zieht. Amnesty International fordert eine eingehende Untersuchung und Auseinandersetzung mit strukturellem Rassismus, der hinter solchen Taten steht.
Die Geschehnisse sind nicht isoliert zu betrachten. Die weltweiten Proteste nach dem Tod von George Floyd, der durch rechtswidrige Gewalt der Polizei starb, haben das Bewusstsein für Polizeigewalt und systematischen Rassismus geschärft. Die Worte „I can’t breathe“ sind zum Motto der Black-Lives-Matter-Bewegung geworden, die gegen solche Ungerechtigkeiten ankämpft. Berichte über Vorfälle wie den Tod des asylsuchenden Oury Jalloh verdeutlichen, dass die Umstände der Polizeigewalt oft in einem dunklen Licht stehen und das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Polizei stark erschüttern.
Diese Problematik wird von zahlreichen Studien untermauert, die zeigen, dass ethnische Minderheiten überproportional häufig von Polizeikontrollen betroffen sind. Stereotype und diskriminierende Handlungspraktiken, wie „Racial Profiling“, führen zu einem ständigen Gefühl der Unsicherheit und Angst in betroffenen Gemeinschaften. Eine Umfrage unter Jugendlichen türkischer Herkunft ergab, dass 34% sich häufig ungerecht behandelt fühlen. Forschungsergebnisse bestätigen, dass diskriminierende Vorurteile innerhalb der Polizei weit verbreitet sind und als Folge eines nicht adäquaten Umgangs mit strukturellem Rassismus gesehen werden.
Die Initiativen zur Bekämpfung von Rassismus und für mehr Antirassismus sind daher essenziell. Der Black History Month, wie von der ÖH angekündigt, ist ein entscheidender Zeitpunkt, um über diese Themen aufzuklären und ein aktives Zeichen gegen Ungerechtigkeiten zu setzen. Es bleibt zu hoffen, dass durch solche Veranstaltungen nicht nur Sensibilisierung erfolgt, sondern auch konkrete Veränderungen in der Gesellschaft herbeigeführt werden können.