Am 9. März 2026 hat die Wiener Bildungsstadträtin Bettina Emmerling den Reformprozess „Kindergarten neu denken“ ins Leben gerufen, um die frühkindliche Bildung in der Stadt zu stärken und zu modernisieren. Diese Initiative zielt darauf ab, den Kindergarten als erste Bildungseinrichtung zu etablieren, deren Bedeutung für die frühkindliche Entwicklung von Kindern nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Emmerling hebt die Notwendigkeit eines verlässlichen Systems hervor, das gemeinsam entwickelt werden sollte. Dies soll durch eine umfassende Befragung erfolgen, die darauf abzielt, die Erfahrungen und Herausforderungen von Elementarpädagog*innen sowie Mitarbeitenden im Berufsalltag zu ermitteln.

Die Befragung ist Teil eines größeren Reformvorhabens, das auch die Neugestaltung des Fördersystems und der Verwaltung umfasst. Emmerling ruft zur aktiven Teilnahme an dieser Befragung auf. Informationen dazu wurden bereits an die Wiener Kindergartenträger verteilt. Ziel ist es, die Rahmenbedingungen für die Elementarpädagogik zu verbessern und wichtige Themen in interaktiven Formaten sowie Themenforen im Education Lab zu diskutieren.

Einbindung der pädagogischen Praxis

Die Initiative zur Neugestaltung der Elementarpädagogik wird auch von KIWI – Kinder in Wien, unterstützt. In einer Grundsatzrede betonte Emmerling die Schlüsselrolle, die der Kindergarten in der Bildungsbiografie von Kindern spielt. Die Reformbereitschaft und eine stärkere Einbindung der pädagogischen Praxis werden als unerlässlich angesehen, um die Qualität in den Einrichtungen zu heben. Der Bildungsminister Christoph Wiederkehr plant darüber hinaus gesetzliche Mindeststandards, die unter anderem Gruppengrößen, Betreuungsschlüssel und Qualifikationen betreffen.

KIWI ist bereits auf dem richtigen Weg und setzt Qualitätsansprüche in der pädagogischen Arbeit um. Das Unternehmen betreut etwa 8.000 Kinder im Alter von einem Jahr bis zehn Jahren an 91 Standorten in Wien und beschäftigt rund 1.700 Mitarbeiter*innen. KIWI spricht von klaren Leitlinien und Qualitätsinstrumenten, die in den pädagogischen Teams implementiert werden. Zudem engagiert sich die Organisation aktiv in der Ausbildung und Qualifizierung von Fachkräften.

Reformen auf Bundesebene

Auf bundesweiter Ebene trat das Kita-Qualitätsgesetz am 1. Jänner 2023 in Kraft, welches die Länder bis 2026 mit rund 8 Milliarden Euro unterstützt, um die Qualität in der Kindertagesbetreuung zu verbessern. Länder sind aufgefordert, selbst zu entscheiden, in welche Handlungsfelder investiert wird. Der „Letter of Intent“ zwischen den Bundesministerien zielt auf die Weiterentwicklung der Qualität in der Kindertagesbetreuung ab.

Die Reformen sind Teil des Bestrebens, ein einheitliches Qualitätsentwicklungsgesetz zu schaffen, das bundesweite Standards etablieren soll. In diesem Kontext fordern Gewerkschaften und Verbände einheitliche Qualitätsstandards für Kitas. Wissenschaftler warnen angesichts von Umfragen und Studien vor einer möglichen „Kita-Krise“ und verlangen politische Maßnahmen zur Verbesserung der Situation. Es ist klar, dass die Herausforderungen in der Elementarpädagogik umfassend angegangen werden müssen, um eine nachhaltige Entwicklung in der frühkindlichen Bildung zu gewährleisten.