Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) plant eine umfassende Reform der Lehrpläne an den Allgemeinbildenden Höheren Schulen (AHS). Hauptbestandteil dieser Reform ist die Reduzierung des Lateinunterrichts von derzeit zwölf auf acht Stunden pro Woche. Dieser Schritt soll es ermöglichen, mehr Unterrichtsstunden für neue Fächer wie Künstliche Intelligenz (KI) und Medien- sowie Demokratiebildung zu gewinnen. Laut dolomitenstadt.at treffen die Kürzungen etwa 20 Prozent der 360 AHS-Standorte, die keine autonomen Stundentafeln nutzen.

Die Reform, die auch außerhalb Österreichs Beachtung findet, wird von einer breiten Öffentlichkeit kritisch verfolgt. In einer Petition, unterstützt von bekannten Persönlichkeiten wie der Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek und weiteren prominenten Unterzeichnern, wird vor den Gefahren gewarnt, die mit der Marginalisierung von Latein einhergehen. Die Petition hebt hervor, dass Latein essentielle Denkfähigkeiten fördert, die für eine funktionierende Demokratie unerlässlich sind. Befürworter der Petition betonen, dass Bildung nicht ausschließlich auf Verwertbarkeit reduziert werden sollte.

Die Notwendigkeit von Veränderungen

Wiederkehr verteidigt die geplanten Kürzungen und führt aus, dass es entscheidend sei, die Schüler fit für eine sich verändernde Zukunft zu machen, ohne sie mit übermäßigen Inhalten zu überfordern. Die Umfrageergebnisse zwingen zum Nachdenken: Von rund 45.000 Befragten stimmten 83 Prozent der Schüler und 74 Prozent der Eltern für eine Reduzierung bestehender Lehrinhalte zugunsten neuer Themen. Sogar 71 Prozent der Lehrkräfte unterstützen die Vorschläge, wobei viele AHS-Oberstufenlehrkräfte sich für eine Erhöhung der Lateinstunden aussprechen.

Im Rahmen der Reform wird auch die Einführung eines neuen Faches „Informatik und Künstliche Intelligenz“ ab dem Schuljahr 2027/28 angestrebt. Dieses Fach soll den bestehenden Bereich Informatik erweitern. Gleichzeitig gibt es nun auch das Fach „Medien und Demokratie“, was die Bildungslandschaft weiter diversifizieren soll. Dennoch gibt es Bedenken hinsichtlich der Verfügbarkeit qualifizierter Lehrkräfte für diese neuen Fächer, was in der Fachgemeinschaft und bei Lehrervertretungen auf Skepsis stößt.

Künstliche Intelligenz im Unterricht

Künstliche Intelligenz spielt nicht nur in der Reform eine entscheidende Rolle, sondern bringt auch neue Herausforderungen mit sich. Wie deutsches-schulportal.de berichtet, imitieren KI-Anwendungen menschliche Fähigkeiten wie logisches Denken und Problemlösen. Während einige Lehrkräfte die Möglichkeit positiver individueller Förderung durch KI sehen, befürchten viele auch negative Auswirkungen auf soziale und kommunikative Fähigkeiten von Schülern, besonders wenn diese regelmäßig KI-Tools verwenden.

Die Diskussion über die Rolle von KI im Bildungswesen ist weiterhin dynamisch. Um Lehrkräfte auf den Einsatz von KI im Unterricht vorzubereiten, besteht ein großer Bedarf an Fortbildungen. Der Großteil der Lehrkräfte, die KI sporadisch nutzen, ist an Workshops zur Unterrichtsgestaltung interessiert, wobei die Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen auf die Kritiken des Denkens und der Schreibkompetenz von Schülern weiterhin bestehen bleiben.

In der Summe spiegeln die Reformpläne von Bildungsminister Wiederkehr sowohl eine Anpassung an technologische Veränderungen als auch die Herausforderungen wider, die mit der Veränderung traditioneller Bildungsinhalte verbunden sind. Die nächsten Schritte werden zeigen, wie diese Reform in der Praxis umgesetzt wird und wie die verschiedenen Interessengruppen auf die Anpassungen reagieren.