Die Gemeinderatswahl in St. Pölten am 25. Jänner 2026 brachte ein unerwartetes Ergebnis: Die SPÖ unter Bürgermeister Matthias Stadler verlor ihre seit 1965 bestehende absolute Mehrheit. In einer ersten Reaktion beschrieb Stadler den Trend als „klaren Auftrag“, äußerte jedoch auch seine Enttäuschung über den Verlust der Alleinherrschaft, die sechs Jahrzehnte lang Bestand hatte. Trotz der Niederlage kündigte er an, dass die SPÖ weiterhin eine große Mehrheit im Gemeinderat behalten werde. Mit einem Blick auf den Einfluss des Bundestrends sagte Stadler: „Wir müssen uns den Herausforderungen stellen“ und kündigte Gespräche mit allen Parteien an, um die politische Stabilität zu gewährleisten.
Die ersten Hochrechnungen zeigen, dass die SPÖ zwar noch mehr Stimmen als FPÖ und ÖVP zusammen erhielt, jedoch die absolute Mehrheit nicht halten konnte. ÖVP-Spitzenkandidat Florian Krumböck bezeichnete die Wahl als „historischen Abend“ und bezeichnete das Ergebnis der ÖVP als „solid“ und ein Zeichen des Widerstands gegen den Bundestrend. Parallel dazu wird von der FPÖ ein deutlicher Zuwachs der Stimmen erwartet, mit berichten zufolge einer Verdopplung der Wähleranzahl.
Kopf-an-Kopf-Rennen um Platz zwei
Die ÖVP und die FPÖ lieferten sich ein knappes Rennen um den zweiten Platz. Beide Parteien lagen laut den ersten Ergebnissen nur wenige Stimmen auseinander. FPÖ-Landesrat Martin Antauer zeigte sich „überglücklich“ über die Zugewinne seiner Partei, die ein „starkes Zeichen“ gesetzt habe. Antauer argumentierte, dass die Bürger die freiheitliche Politik im Rathaus wünschten.
Der Spitzenkandidat der Grünen, Walter Heimerl-Lesnik, kündigte Gesprächsbereitschaft an und äußerte, dass der Verlust der absoluten Mehrheit der Stadt zugutekommen könnte. Der NEOS-Vertreter Bernd Pinzer hingegen zeigte sich zurückhaltend und verwies auf unbequeme Wahrheiten im Wahlkampf, während KPÖ-Spitzenkandidat Max Zirngast optimistisch über den angeblichen Einzug seiner Partei in den Gemeinderat sprach.
Niedrige Wahlbeteiligung als Problem
Trotz des spannenden Wahlkampfs fiel die Wahlbeteiligung erneut niedrig aus und wird laut Prognosen voraussichtlich unter dem historischen Tiefstand von 55,96 Prozent aus dem Jahr 2021 liegen. Laut der Analyse auf parlament.gv.at spielen eine Vielzahl von Faktoren eine Rolle bei der Wahlbeteiligung: Sozio-ökonomische Variablen, der Einfluss des Wahlsystems und die verfügbaren Ressourcen zur Informationsbeschaffung sind entscheidend. Das Civic-Voluntarism-Model beschreibt, dass persönliche Betroffenheit und politisches Interesse die Wahlbeteiligung maßgeblich beeinflussen.
Zusätzlich wirkt sich die geografische und soziale Mobilität auf die Wahlbeteiligung aus. Viele Wähler entscheiden sich gegen die Teilnahme an Wahlen, die sie als längst entschieden ansehen. Ob das aktuelle Ergebnis langfristige Folgen für die St. Pöltner Politik haben wird, bleibt abzuwarten.
Insgesamt zeigt die Wahl von St. Pölten, dass sich das politische Klima in Österreich verändert. Bürgermeister Matthias Stadler wird vor der Herausforderung stehen, eine Mehrheit zu sichern, während sich die politischen Verhältnisse im Rathaus neu sortieren könnten.
Für detailliertere Informationen zu den Wahlereignissen in St. Pölten können Sie die Artikel auf vienna.at und exxpress.at nachlesen.