24-Stunden-Betreuung: Hohe Erwartungen, harte Realität für Helferinnen!
Erfahren Sie, warum der Begriff "24-Stunden-Betreuung" in Vorarlberg Missverständnisse und Überforderungen für Betreuerinnen schafft.

24-Stunden-Betreuung: Hohe Erwartungen, harte Realität für Helferinnen!
Im Bereich der 24-Stunden-Betreuung in Vorarlberg, einem weit verbreiteten, aber oft missverstandenen Konzept, treten ernsthafte Probleme zutage. Viele Betreuerinnen sehen sich mit unrealistischen Erwartungen konfrontiert, die durch den Begriff „24-Stunden-Betreuung“ geschürt werden. Lavinia Beuca, eine erfahrene Betreuerin, weist darauf hin, dass diese Bezeichnung suggeriert, die Betreuerinnen seien rund um die Uhr verfügbar, was in der Realität nicht der Fall ist. Diese falschen Erwartungen führen zu erheblichem Druck und Überforderung für die Betreuerinnen, die oft mit geringen Deutschkenntnissen arbeiten und die Belastung still hinnehmen.
In einer umfassenden Analyse der Thematik unterstreicht das vol.at, dass die Verpflegung der Betreuerinnen häufig unzureichend ist. Da viele ältere Menschen in den Haushalten wenig essen, leiden die Betreuerinnen oft unter schlechten Ernährungsbedingungen. Darüber hinaus sind abwertende Bemerkungen über Herkunft oder Sprache, insbesondere gegenüber aus Rumänien stammenden Betreuerinnen, an der Tagesordnung. Herlinde Böhler-Kölbl von der Vermittlungsagentur „Ländle Betreuung“ stellt klar, dass niemand tatsächlich rund um die Uhr arbeiten kann; übliche Arbeitszeiten belaufen sich auf 12 Stunden pro Tag, von 7 bis 19 Uhr, und beinhalten oft lange Pausen.
Realistische Rahmenbedingungen
Das Sozialministerium hat bereits 2007 die Rahmenbedingungen für eine qualitätsgesicherte 24-Stunden-Betreuung auf legaler Basis geschaffen. Laut dem sozialministerium.gv.at wird zunächst eine Anlaufstelle für Fragen zur 24-Stunden-Betreuung durch das Sozialministeriumservice bereitgestellt. Vorteilhafte Programme und Fördermittel werden angeboten, um die Betreuung für pflegebedürftige Personen zu unterstützen. Diese finanziellen Hilfen können bis zu 800 Euro pro Monat für zwei selbstständig tätige Betreuungspersonen betragen.
Die Anforderungen für Pflegekräfte sind hoch: Sie müssen über eine theoretische Ausbildung oder mindestens sechs Monate praktische Erfahrung verfügen. Dies wird ergänzt durch gesetzliche Bestimmungen, die die Arbeitszeiten regeln, sodass Betreuungskräfte maximal 48 Stunden pro Woche arbeiten dürfen, wobei in Ausnahmefällen bis zu 60 Stunden möglich sind. Die Realität sieht jedoch oft anders aus – viele Betreuerinnen arbeiten tagsüber und gehen nachts in Rufbereitschaft.
Die Rolle der Vermittlungsagenturen
Der Bedarf an qualifizierten Betreuungskräften steigt. Gleichzeitig ist es jedoch schwierig, solches Personal zu finden. Monika Frick von der Wirtschaftskammer Vorarlberg kritisiert die Vorstellung der ständigen Verfügbarkeit und betont, dass Betreuerinnen selbstständig sind und Anspruch auf Pausen haben müssen. In vielen Fällen führen unzureichende Verpflegung und sogar negative finanzielle Folgen, wie Kürzungen des Haushaltsgeldes aufgrund von Gewichtszunahme, zu drastischen Konsequenzen für die Betreuerinnen.
Die pflege.de hebt hervor, dass die 24-Stunden-Pflege durch spezialisierte Agenturen organisiert wird, die meistens Hilfskräfte aus Osteuropa vermitteln. Diese angeheuerten Kräfte sind für die Grundpflege, Haushaltstätigkeiten sowie soziale Betreuung bis hin zur Organisation von Arztterminen zuständig. Dabei ist es wichtig zu erwähnen, dass medizinische Aufgaben nur von examinierten Pflegekräften übernommen werden dürfen.
Insgesamt wird eine offenere Debatte über die realistischen Rahmenbedingungen der Personenbetreuung gefordert. Es besteht ein dringender Bedarf an Veränderung, um sowohl die Rechte der Betreuerinnen zu schützen als auch die Qualität der Betreuung für pflegebedürftige Menschen zu gewährleisten.